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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


22. Januar 2017

Geschlechtergerechte Rede (TUD)

Protokoll vom  17. 01. 2017, Sitzung Nummer 12 von [15]

Verfasserin:  Tanja Mett-Bialas

Zu Beginn der Sitzung wurde das Protokoll vom 10.01.2017 genehmigt. Es gab dazu keine Anmerkungen, Fragen und/oder Ergänzungen. Der Dozent gab anschließend die Textstellen der nächsten Sitzungen bekannt:

24.01.2017: Röm. 1, 18 ff.

31.01.2017: Gen. 1 (1. Mose) 19, Verse werden in der nächsten Sitzung bekannt gegeben.

07.02.2017: Seminarabschluss: Die Teilnehmer können Fragen stellen, die sie zu dieser  Themenstellung schon immer interessiert haben bzw. explizite Rückfragen zum Seminar stellen.  Text der heutigen Sitzung: Epheser 5, 21 ff.: Dieser klassische Text, als expliziter Autor steht Paulus im Brief (Der Brief des Paulus an die Epheser), ist als extrem wichtig für die Geschichte des Christentums in Bezug auf die Bestimmung des Verhältnisses der Geschlechter einzustufen. Es handelt sich hierbei um einen Katalog oder eine ‚Haustafel‘, wie es auch in der (im Originaltext nicht enthaltenen!) Überschrift des Textabschnittes benannt wird. Dies bedeutet, dass hier alle Gruppen/Personen/Schichten, die in einem Haus vorkommen (Männer-Frauen, Eltern-Kinder, Sklaven-Freie etc.), angesprochen werden, indem Ihnen darin explizite Regeln/Verhaltensvorschriften gemacht bzw. auferlegt werden. Im Mittelalter beispielsweise schrieb Martin Luther (1483-1546) einen sogenannten ‚Fürstenspiegel‘, der eine ähnliche Aufgabe verkörperte: Dabei wurden Regeln für Angehörige der Obrigkeit aufgestellt. (more…)

Trump?

Donald Trump hat die Präsidentenwahl aufgrund des Wahlsystemes gewonnen, das manchen hierzulande unbekannt zu sein scheint. Elisabeth Wehling hatte schon vorher prognostiziert, dass aufgrund seiner rhetorischen Strategie Trump die Wahl gewinnen werde. So ist es gekommen – und Trump hat ohne großen Anstrengungen Hillary Clinton schlagen können. Man muss nicht in vielen Einzelheiten dem neurolinguistischen Modell Wehlings zustimmen. Aber richtig ist, dass Trump ein klareres Bild vieler für ihn ansprechbarer Wählergruppen hatte – weshalb ich auch nicht überzeugt davon war, dass sein Sexismus und Rassismus hinreichend abstoßend war. Heute macht er sich über die gestrigen Demonstrant/inn/en lustig: Sie hätten ja zur Wahl gehen können …
Was an Trump interessant ist, ist der Sachverhalt, dass in seiner Kampagne konkurrenzgesellschaftliche Modelle sich für viele Menschen als alltagstauglich erwiesen haben. Das ist auch ein ernstes Problem.

18. Januar 2017

Eine wichtige Nebenbemerkung

Natürlich ist das Denkmal für die Ermordung der europäischen Juden in Berlin ein „Denkmal der Schande“, weil diese Ermordung eine Schande ist – und diese Ermordung neben vielen weiteren Verbrechen von dem allergrößten Teil der Bevölkerung hingenommen wurde. Erst seit den 1968er Jahren fand eine breitere intensive Debatte statt. Dagegen gab es auch intellektuelle Bewegungen, sodass es in den 1980er Jahren zu einem „Historikerstreit“ kam, in dessen Verlauf ein angesehener Altertumswissenschaftler im „Evangelischen Studienwerk“ sagte, wer Deutscher sein wolle, müsse die Geschichte von 1933-1945 als Teil seiner Identität annehmen. Ich als Sohn eines Gegners der Nationalsozialisten war schockiert.
Richard von Weizsäcker rückte das 1985 zurecht. Er war Sohn eines Teils der Reichsregierung – und verteidigte seinen Vater als Anwalt in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. 1985 hielt er fest, dass der Sieg der Alliierten eine Befreiung war, von dramatischen Irrtümern, die zu gewaltigen Verbrechen geführt hatten, woran jenes Mahnmal erinnert.
Man konnte seit einiger Zeit z. B. auf Twitter lesen, dass unter neurechten Denkern dieser Ausgang der Debatte in den 1980er Jahren als revisionsbedürftig galt. Und der frühere Geschichtslehrer Höcke hat das vorgestern explizit ausgesprochen. Es handele sich um eine „dämliche Erinnerungspolitik“. Nicht der ermordeten Juden solle gedacht werden, sondern der Dresdner Opfer des alliierten Bombardements.
Die europäische Verständigung ermöglicht es heute, dass beides geschieht. Was „Bernd“ Höcke so aufregt, ist dieser Sachverhalt: „Deutschland“ hat sich in der Europäischen Union mit einer europäischen Identität neu konstituiert, es ist kein Nationalstaat mehr. Und m. E. ist das auch gut so.
Das war schon in den 1980er Jahren absehbar – und schon damals m. E. einer der Hintergründe des „Historikerstreits“. Dass die deutsche Vereinigung und die Osterweiterung der EU leider wieder nationale Rückschritte ausgelöst haben, ist auch klar. PEGIDA und die AfD sind darauf Reaktionen, die das seit den Bielefelder Studien von Heitmeyer recht gut erfasste rechtsextreme Spektrum in unserer Bevölkerung anziehen kann. Schlecht für diese Gruppierungen ist es, dass sogar in der Fußballnationalmannschaft Türken und Schwarze spielen, was die Leistungskraft der Mannschaft gestärkt hat.
Die Visionen Höckes vom „vollständigen Sieg“ werden sich zweifellos nicht erfüllen. Aber die Demokraten sind nun gewarnt.

Witzig an der Rede Höckes ist, dass er wieder auf deutsche Traditionen zurück will, die gar nicht mehr vermittelt würden. Da ich auch in NRW zur Schule gegangen bin, kann ich das nicht bestätigen. Z. B. Goethe war Standard. Sarah Wagenknecht würde dem offenbar zu kurz gekommenen Höcke sicherlich dessen Liebesgedichte empfehlen. Ich ergänze, der „West-östliche Diwan“ könnte ein hilfreiches Bildungserlebnis sein. Sogar Philosophen waren Höcke zufolge für Deutschland vor 1933 bedeutend. Hier ist für AfDler „Zum ewigen Frieden“ von dem Königsberger Kant einschlägig. Es gehört zur Tragik jener Schande, dass viele Kenner/innen dieser großen Tradition ermordet wurden. Nur einige, wie Hannah Arendt, überlebten.
Höcke ist jedenfalls ein viel schlechterer Redner als der diabolische Goebbels. Das könnte vielleicht ein Trost sein.

Hier ist das Video zu sehen, welches zeigt, dass Teile der AfD neonazistische Züge  tragen:

 

Dresdner Rede von Björn Höcke im Video

16. Januar 2017

Griechische Lektüre und Exegese des Johannesevangeliums (Uni Hd)

Wir übersetzten Joh 2,1-12 und Joh 8,1-11, nach der alten formgeschichtlichen Betrachtung eine Wundererzählung und ein Streitgespräch. Heute bezieht man die seit der Rhetorik des Aristoteles üblichen Gattungsbezeichnungen für rhetorisch verwendete Kleingattungen ein, dann handelt es sich um einen Mythos und eine Chrie. Beide Texte führten in der Übung zu angeregten Erörterungen.
Segmentiert sieht das so aus:

 

21Καὶ τῇ ἡμέρᾳ τῇ τρίτῃ γάμος ἐγένετο ἐν Κανὰ τῆς Γαλιλαίας,

καὶ ἦν ἡ μήτηρ τοῦ Ἰησοῦ ἐκεῖ·
2 ἐκλήθη δὲ καὶ ὁ Ἰησοῦς καὶ οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ εἰς τὸν γάμον.
3 καὶ ὑστερήσαντος οἴνου
λέγει ἡ μήτηρ τοῦ Ἰησοῦ πρὸς αὐτόν·
οἶνον οὐκ ἔχουσιν.
4 [καὶ] λέγει αὐτῇ ὁ Ἰησοῦς·
τί ἐμοὶ καὶ σοί,
γύναι;
οὔπω ἥκει ἡ ὥρα μου.
5 λέγει ἡ μήτηρ αὐτοῦ τοῖς διακόνοις·
ὅ τι ἂν λέγῃ ὑμῖν ποιήσατε.
6 ἦσαν δὲ ἐκεῖ λίθιναι ὑδρίαι ἓξ κατὰ τὸν καθαρισμὸν τῶν Ἰουδαίων κείμεναι, … χωροῦσαι ἀνὰ μετρητὰς δύο ἢ τρεῖς.
7 λέγει αὐτοῖς ὁ Ἰησοῦς·
γεμίσατε τὰς ὑδρίας ὕδατος.
καὶ ἐγέμισαν αὐτὰς ἕως ἄνω.
8 καὶ λέγει αὐτοῖς·
ἀντλήσατε νῦν
καὶ φέρετε τῷ ἀρχιτρικλίνῳ·
οἱ δὲ ἤνεγκαν.
9 ὡς δὲ ἐγεύσατο ὁ ἀρχιτρίκλινος τὸ ὕδωρ οἶνον γεγενημένον
καὶ οὐκ ᾔδει πόθεν ἐστίν,
οἱ δὲ διάκονοι ᾔδεισαν οἱ ἠντληκότες τὸ ὕδωρ,
φωνεῖ τὸν νυμφίον ὁ ἀρχιτρίκλινος
10 καὶ λέγει αὐτῷ·
πᾶς ἄνθρωπος πρῶτον τὸν καλὸν οἶνον τίθησιν
καὶ ὅταν μεθυσθῶσιν τὸν ἐλάσσω·
σὺ τετήρηκας τὸν καλὸν οἶνον ἕως ἄρτι.
11 Ταύτην ἐποίησεν ἀρχὴν τῶν σημείων ὁ Ἰησοῦς ἐν Κανὰ τῆς Γαλιλαίας
καὶ ἐφανέρωσεν τὴν δόξαν αὐτοῦ,
καὶ ἐπίστευσαν εἰς αὐτὸν οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ.
12 Μετὰ τοῦτο κατέβη εἰς Καφαρναοὺμ αὐτὸς καὶ ἡ μήτηρ αὐτοῦ καὶ …

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Geschlechtergerechte Rede von Gott (TUD)

Protokoll vom 10.01.2017

Protokollantin: Ilknur Özcan

Im Seminar haben wir Bezug genommen auf Markus 10, 1-12:

Ein sehr wichtiger Text, was will er uns sagen.

 

Was wollen die Pharisäer? Sie wollen ihm eine Falle mit der Frage stellen. Hat Jesus, Mose richtig interpretiert? (5. Mose Kapitel 24 1-4) In der Tora, im Gesetz steht die Möglichkeit einer Scheidung, indem ein Mann einer Frau einen Scheidebrief schreiben kann, um sie ziehen zu lassen.

Wie geht Jesus vor, was sagt er?

Wie sollte man den Text verstehen? Wenn das Herz hart oder verhärtet  ist, kann es  nicht auf andere eingehen. Auch in der ersten Schöpfungsgeschichte Gen 1 steht: Gott schuf sie als männlich und weiblich. Darum wird er (bzw. sie) Vater und Mutter verlassen und die zwei werden ein Fleisch sein (1. Mose Kapitel 2 Vers 24). Jesus ergänzt die erste durch die zweite Schöpfungsgeschichte.

Wieso macht er das? (Das Gebot, das Mose gestattet hat, steht 5. Mose Kapitel 24 1-4)

Am Anfang der Bibel steht was anderes, als das, was Mose gesagt hat. Mose hat sich nicht zu dieser Position, die Jesus vertritt, entschließen können, weil er gewusst hatte, dass die Pharisäer heftig mit der Herzenshärte zu tun haben. So kann man alles zusammenfassen, das ist eine typische Form der dynamischen Schrift-Auslegung, die im Judentum möglich war, dass man Elemente, die früher sind, gegen andere, die später gekommen sind, ausspielen konnte. Jesus hat recht, da der Sinn von Gen 2,24 so ist, wie er das meint. Scheidebrief ausstellen ist in Gen 1 und Gen 2 nicht angemessen.

Wieso ist es nicht angemessen, Jesus sagt nicht, dass es falsch ist. Wenn jemand sagt, der Scheidebrief existiert wegen eurer Herzenshärte.

Von den Leser/inne/n der Bibel wird erwartet, dass sie es merken, wenn sie es lesen. Ein Mann und eine Frau lassen sich aufeinander ein, deswegen wird die Tatsache, dass sie als männlich und weiblich erschaffen sind, betont. Jesus interpretiert, dass es ein symmetrisches Verhältnis ist.

Warum bleiben sie zusammen? Ein-Fleisch-Sein ist eine sexuelle Metapher.

Dass Frau und Mann einen Bund schließen, steht in der Bibel überhaupt nicht.

Was bedeutet es mit der Herzenshärtigkeit?

Das Ein-Fleisch-Sein ist dann Liebe, damit vereinigen diejenigen sich, die zuvor getrennt waren, in einem Paar wieder. Löst sich auf, wenn man auf den anderen nicht eingehen kann. Es ist möglich eine Scheidung zu verhindern, wenn diese Probleme auftreten über ein weiches Herzen, den anderen mit Ecken und Kanten zu akzeptieren und das zu weiteren Beziehungen führen kann. Jesus legt es in die Verantwortung des Paares, keineswegs in die Hände der Kirche.

Wie kann man zeigen, dass Jesus das symmetrisch meint?

Die Herzenshärte kann von beiden Seiten ausgehen, falls es zur Scheidung kommt, kann auch die Frau den Scheidebrief ausstellen. Es gibt keine Überordnung des Mannes, es ist eine absolute Gleichberechtigung gemeint. Wenn beide ein weiches Herz haben, sind sie in der Lage das Problem der Scheidung zu vermeiden.

Jesus vertritt ein romantisches Liebesverständnis, das Frau oder der Mann den einen gefunden haben, an den/die sie sich binden und die Methode das Herz weich sein zu lassen scheint zu reichen um die Scheidung zu vermeiden.

 

 

 

 

 

 

14. Januar 2017

Trump twittert!

Bei den selbsternannten „Qualitätsmedien“ (um eine alberne Floskel der Mediensprache zu verwenden) ist die Aufregung groß: Trump twittert, gibt ansonsten in seinem Tower eine Pressekonferenz, greift dabei die Vertreter der „vierten Gewalt“ an, ist „dünnhäutig“ usf. Manche Journalist/inn/en sehen dadurch die Pressefreiheit bedroht.
Wie gewöhnlich wird dabei die kritische Debatte seitens WikiLeaks, Greenwald u. a. souverän ignoriert – und verschwiegen. Demgegenüber werden die Auffassungen HCLINTONS u. a. stark vervielfältigt.

Die veröffentlichten Dokumente über die Praxis der Demokraten und insbesondere Clintons im Wahlkampf sprechen dafür, dass es hierbei um Manipulation und keinesfalls um „lupenreine“ Demokratie ging. Dass Trump damit in engen Staaten gewinnen konnte, ist wahrscheinlich, zumal Clinton soziale Probleme ignorierte.
Die Tendenz der Demokraten, russisches Hacking für die Veröffentlichung der Daten verantwortlich zu machen, lenkt vom Demokratiedefizit Clintons ab – ist aber in der Sache abwegig.
Man ist gespannt, ob die nachrichtendienstlich lancieren Gerüchte über Trump Moskauer Sexleben und seine mögliche Erpressbarkeit durch Russland zutreffen. Sie sind bislang nicht belegt.

 

 

11. Januar 2017

Zwischenhalt (Griechische Lektüre und Exegese des Johev [Uni Hd])

Die Teilnehmer/innen wünschten folgendes Abschlussprogramm:

16.01.                Joh 2,1-12; 8,1-11

23.01.                6,30-52 (Vorschlag für die Übersetzung, das gesamte Kapitel auf Deutsch lesen).

30.01.                8,37-59 (Vorschlag für die Übersetzung, den Rest ab 8,12 auf Deutsch lesen).

07.02.                ???

Die Vorschläge werden abgestimmt.

Die Sitzung arbeitete vor allem an einer Bündelung des bislang Übersetzten. Ebenso wurden Einleitungsfragen und theologische Fragen erörtert.

Es ist wohl die leichteste Annahme, dass Joh sich mit den drei synoptischen Evangelien auseinandersetzt, z. B. 20f zeigen, dass Jesus in Jerusalem und Galiläa erscheint. (more…)

4. Januar 2017

Geschlechtergerechte Rede von Gott (TUD)

Protokoll I vom 13.12.2016
Sabrina Hofmann

1. Korinther 11: handelt von dem Verhalten der Frau und des Mannes im Gottesdienst.

„Wenn ein Mann betet oder prophetisch redet und dabei sein Haupt bedeckt hat, entehrt er sein Haupt. (1. Kor. 11,4)“
„Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dann in keiner Weise von einer Geschorenen. (1. Kor. 11,5)“

Bei Geschorenen ist von Prostituierten die Rede und mit Bedeckung des Hauptes ist das Kopfhaar gemeint.
Hierbei ist keine christliche Kopfbedeckung gemeint.
Für Frauen ist es eine Ehre lange Haare zu tragen, denn der Frau ist das Haar als Hülle gegeben.
Mit langen Haaren unterscheidet sie sich von den Geschorenen, denn kurze Haare sind schwer gefährlich und nicht gut angesehen. Eine Frau mit langem Haar hingegen trägt genug Macht auf dem Kopf, um vor den Engeln geschützt zu sein.

Warum entehrt aber der Mann sein Haupt, wenn er im Gottesdienst sein Haupt nicht bedeckt?
Er ist Bild und Glanz Gottes und die Frau ist nur Glanz des Mannes.
Gott ist das Haupt von Christus. Das Haupt des Mannes ist Christus und der Mann ist das Haupt der Frau.
1. Korinther 11,3 und 11,7 ist sehr hierarchisch aufgebaut.

Gott→Christus→Mann→Frau

In 1. Korinther 11,8f. heißt es:
„Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde auch nicht von der Frau geschaffen, sondern die Frau vom Mann.“

Diese Aussagen stehen im Widerspruch zu 1. Korinther 11,11f.
Dort heißt es:
„Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau.
Denn wie die Frau vom Mann stammt, so kommt der Mann durch die Frau zur Welt; alles aber stammt von Gott.“

Folgendes ist zu verstehen: dass der Mann von der Frau stammt und die Frau stammt vom Mann und alle stammen von Gott.
Hierbei geht es um die Gemeinschaft in Christus.

 

Protokoll vom 13.12.2016 II (Ilknur Özcan)
Im Seminar haben wir Bezug genommen auf Galater 3 Vers 26-28:
„Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.“
„Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt.“

Wenn man auf Christus getauft ist, ist die Taufe nach der Auffassung der theologischen Ureltern ein klares Bekenntnis, das immerwährend gilt. Nicht ganz richtig ist die Übersetzung Mann und Frau. Passender wären die Begriffe männlich und weiblich. Auch Magdalena Frettlöh übersetzt die Begriffe in dieser Form.
Wie ist es gefasst?
Jeder einzelner Menschen in Jesus Christus, demnach wird keine Hierarchie aufgestellt. Es herrscht eine absolute Gleichberechtigung. Auch im Schlussteil der Hiob-Geschichte wird betont, dass Töchter gleichberechtigt dargestellt werden, denn sie sind auch erbberechtigt. Es gibt eine Gleichstellung von Mann und Frau. Dabei geht es um die Nachkommen von Abraham. Dies bezieht sich weder auf das Judentum noch auf das Christentum – oder ob die Person Grieche oder Jude ist. Männlich/Weiblich ist weder männlich noch weiblich, das ist auch als eine Gleichberechtigung zu sehen.
Weitergehende Interpretation:
Die Menschen sind eins. Selbst wenn Sie männlich oder weiblich sind, spielt es vor Jesus Christus keine Rolle.
„Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“

Der Geschlechterdual wird hier aufgehoben und die Geschlechtererhebung spielt demnach keine Rolle, da der einzelne Mensch als individuelles Wesen dargestellt wird. Es gibt keine Bevorzugung des Einzelnen in Bezug auf eine spezifische Eigenschaft. Es wird festgestellt, dass es sich um einen radikalen Text von Paulus handelt, welcher sich stark von dem unterscheidet, was im Korinther 11 Vers 3 steht.

Es ist sehr wichtig, nicht nur einen Text zu lesen, sondern sich mehrerer Texten anzunehmen, bevor man sich seine eigene Meinung bildet. In der Bibel gibt es von Anfang an keine einheitliche Meinung.
Alle Menschen sind gleich im Angesicht Jesu Christi, egal welcher Herkunft sie abstammen oder welcher Religion sie zugehörig sind. In der Schöpfungsgeschichte in Gen 1 steht geschrieben: Er schuf sie als männlich und weiblich. Hier wird Gott (möglicherweise) als androgynes Wesen dargestellt, denn die Bilder sind entweder männlich oder weiblich.
Bei den Paulusbriefen im Galater 3 Vers 28 ist es verschärfter, da dort die Aussage weder männlich noch weiblich beschrieben wird, weder als Jude noch Grieche, weder Sklave noch Herr. Es wird kein Unterschied gemacht: Alle sind gleich und dürfen nicht unterschiedlich behandelt werden.
Bei Magdalena Frettlöh passt es zusammen, was sie in ihrem Text auf positive Art und Weise vermitteln will. Wenn es etwas gibt, dann sind die Unterschiede des anderen Menschen Ausdrücke seiner Individualität. Aufgrund von individuellen Eigenschaften darf man jedoch nicht benachteiligt oder bevorzugt werden.
Die fundamentale Botschaft ist: Nicht nur damals war es üblich, dass es Sklaven gab, sondern es gibt sie traurigerweise heute noch. Laut den Menschenrechten, die für die Allgemeinheit gelten und bei uns auch beispielsweise im Grundgesetz verankert sind, sollte es sie nicht mehr geben. Auf so einer Ebene argumentiert Paulus in diesem Vers. Dieser Text will uns sagen, dass alle Menschen gut und gleichberechtigt miteinander umgehen sollten.
Zum Schluss sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass dieser Text Galater 3,28 ein sehr moderner Text sei und noch in unserer Zeit relevant ist. Mit diesem Text ist Paulus seiner Zeit voraus gewesen im Vergleich zu anderen Schriftstücken. Durch die Bibel bekommen wir keine eindeutigen Informationen, wie es sein soll, sondern hier werden wir mit unterschiedlichen Positionen konfrontiert und bei Galater 3,28 mit einer der radikalsten.

3. Januar 2017

Was kann aus Nazareth (schon) Gutes kommen? (Joh 1,43-51 [8.01.2017: EfG Griesheim])

Marc Chagall: Jakobs Traum (Gen 28,12)

43Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa weggehen und fand Philippus. Jesus sagte zu ihm: »Folge mir!« 44Philippus war aus Betsaida, aus dem Dorf von Andreas und Petrus. 45Philippus fand den Natanaël und sagte zu ihm: »Wir haben denjenigen gefunden, von dem Mose in der Tora  und die Propheten schrieben: Jesus aus Nazareth, Sohn von [Maria und] Josef.« 46Aber Natanaël sagte zu ihm: „Was kann aus Nazareth (schon) Gutes kommen?“ Philippus sagte ihm: »Komm und sieh!« 47Jesus sah Natanaël zu sich kommen und sagte über ihn: »Hier ist ein wahrer Israelit, in dem keine Verstellung ist.« 48Natanaël sagte zu ihm: »Woher kennst du mich?« Jesus antwortete und sagte zu ihm: »Bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum [sitzen] gesehen.« 49Natanaël antwortete ihm: »Rabbi, du bist der Sohn Gottes; du bist der König Israels!« 50Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.« 51Und er sagte zu ihm: »Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und [schauen, wie] die Engel Gottes hinaufsteigen und hinabsteigen auf dem Menschensohn .« (Vgl. Bibel in gerechter Sprache zur Stelle!)

Liebe Gemeinde,

die ersten Tage des neuen Jahres führen uns oft zum Nachdenken über grundsätzliche Fragen, heute ist ein Text als Predigttext vorgesehen, der den Anfang des Wirkens Jesu im Johannesevangelium im Blick hat. Jesus hat schon Andreas und Simon Petrus, die frühere Schüler Johannes des Täufers waren, als eigene Schüler gewonnen. (more…)

30. Dezember 2016

Griechische Lektüre und Exegese des Johannesevangeliums

Dem Seminar gelang es, Kap. 21 ganz zu übersetzen. Segmentiert sieht das so aus:

 

211Μετὰ ταῦτα ἐφανέρωσεν ἑαυτὸν πάλιν ὁ Ἰησοῦς τοῖς μαθηταῖς

ἐπὶ τῆς θαλάσσης τῆς Τιβεριάδος·

ἐφανέρωσεν δὲ οὕτως.

2Ἦσαν ὁμοῦ Σίμων Πέτρος

καὶ Θωμᾶς

ὁ λεγόμενος Δίδυμος

καὶ Ναθαναὴλ

ὁ ἀπὸ Κανὰ τῆς Γαλιλαίας

καὶ οἱ τοῦ Ζεβεδαίου

καὶ ἄλλοι ἐκ τῶν μαθητῶν αὐτοῦ δύο.

3λέγει αὐτοῖς Σίμων Πέτρος·

ὑπάγω ἁλιεύειν.

λέγουσιν αὐτῷ·

ἐρχόμεθα καὶ ἡμεῖς σὺν σοί.

ἐξῆλθον

καὶ ἐνέβησαν εἰς τὸ πλοῖον,

καὶ ἐνἐκείνῃ τῇ νυκτὶ ἐπίασαν οὐδέν.

4Πρωΐας δὲ ἤδη γενομένης ἔστη Ἰησοῦς εἰς τὸν αἰγιαλόν,

οὐ μέντοι ᾔδεισαν οἱ μαθηταὶ

ὅτι Ἰησοῦς ἐστιν.

5λέγει οὖν αὐτοῖς [ὁ] Ἰησοῦς·

παιδία,

μήτι προσφάγιον ἔχετε;

ἀπεκρίθησαν αὐτῷ·

οὔ.

6ὁ δὲ εἶπεν αὐτοῖς·

βάλετε εἰς τὰ δεξιὰ μέρη τοῦ πλοίου τὸ δίκτυον,

καὶ εὑρήσετε.

ἔβαλον οὖν,

καὶ οὐκέτι αὐτὸ ἑλκύσαι ἴσχυον ἀπὸ τοῦ πλήθους τῶν ἰχθύων.

7λέγει οὖν ὁ μαθητὴς ἐκεῖνος

ὃν ἠγάπα ὁ Ἰησοῦς τῷ Πέτρῳ·

ὁ κύριός ἐστιν.

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