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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


15. August 2018

Bibel­kun­de Hei­del­berg

 

Das Hohelied Salomos

Auch das „Lied der Lieder“ (שִׁיר הַשִּׁירִים, šîr haššîrîm) wird dem König Salomo zugeschrieben, da Salomo oder zumindest ein König an verschiedenen Stellen genannt wird (1,4; 8,11). Es gehört ebenfalls zu den fünf Megillot und wurde dem Passafest zugeordnet, weil sich im Auszug aus Ägypten, an den zu Passa erinnert wird, die Liebe Gottes zu seinem Volk in besonderer Weise gezeigt hat.

 

 

Mystische/erotische Interpretation

Die Zugehörigkeit des Buches zum Kanon war lange umstritten, es wurde aber aufgenommen, weil man die beschriebene Liebe zwischen Mann und Frau allegorisch auf die Beziehung zwischen Gott und Israel deutete. Der Gottesname wird allerdings nur an einer Stelle (8,6) abgekürzt erwähnt, sonst finden sich im Buch keine Verweise auf Gott. Auch die christliche Kirche akzeptierte diese Interpretation und deutete sie auf das Verhältnis Christus-Kirche um. Doch noch im ersten nachchristlichen Jahrhundert wurde das Lied in Wirtshäusern gesungen (Tos Sanh. XII,10), also buchstäblich als Liebeslied verstanden. Im NT wird nicht auf das Hohelied Bezug genommen, in Qumran sind allerdings Handschriftenfragmente belegt.

Zunächst belegt das Hohelied, dass die Bibel nicht sexualfeindlich zu interpretieren ist. Auch die wohl seit Augustin vertretene Erbsündenauffassung wird durch es nicht gestützt.

 

Inhalt

Das Hohelied ist eine Sammlung von ca. 30 einzelnen Liebesliedern, die zu einem Dialog zwischen Frau und Mann komponiert wurden. Dabei steht die Frau offenkundig im Mittelpunkt, ihre Lieder eröffnen und beschließen die Sammlung, von ihr geht die Initiative zur Liebe aus. Manche Ausleger nehmen daher an, dass es sich um einen Monolog der Frau handele, in dem die Rede des Geliebten zitiert wird. Angesprochen sind die Töchter Jerusalems, denen die Erlebnisse der Beziehung geschildert werden. Es mag sein, dass die Lieder ursprünglich bei Hochzeiten gesungen worden sind; man hat auch versucht, ein Textbuch für ein regelrechtes Singspiel oder Drama darin zu sehen. Es ist nicht recht erkennbar, nach welchen Kriterien die Texte aneinandergereiht wurden.

 

Alter

Das Alter des Buches ist kaum zu bestimmen. Wahrscheinlich sind hier ältere Liedstücke gesammelt, die ihrerseits auch außerisraelitische Wurzeln haben können. Die endgültige Zusammenfassung und Komposition ist in nachexilischer Zeit erfolgt.

Mein ers­ter Guten­berg-Bei­trag

Es gehört zu den inter­es­san­ten Ver­su­chen bei Wor­d­Press, neue Mög­lich­kei­ten der Publi­ka­ti­on anzu­bie­ten. Tren­nung akzep­tiert er, aber Block­satz geht nicht. Dann klas­si­scher Edi­tor. Scheint zu gehen.

 

 

11. August 2018

Gal 2,16ff: Mys­tik für uns? – EfG Gries­heim

16Aber wir wis­sen, dass kein Mensch ins Recht gesetzt wird durch vor­schrifts­mä­ßi­ge Erfül­lung der Geset­zes­ver­ord­nung, son­dern nur durch den Glau­ben an bzw. das Ver­trau­en auf Jesus, den Chris­tus. Dar­um sind auch wir zum Ver­trau­en auf den Chris­tus Jesus gelangt, damit wir ins Recht gesetzt wür­den aus de–m Glau­ben an bzw. Ver­trau­en auf den Chris­tus und nicht aus vor­schrifts­mä­ßi­ger Erfül­lung der Geset­zes­ver­ord­nung. Denn aus vor­schrifts­mä­ßi­ger Erfül­lung der Geset­zes­ver­ord­nung gibt es kei­ne Gerech­tig­keit für die Mensch­heit als gan­ze. 17Aber wenn nun wir, die wir ins Recht gesetzt wer­den wol­len durch den Chris­tus, auch selbst als Sün­de­rin­nen und Sün­der daste­hen, ist dann der Chris­tus ein Hand­lan­ger der Sün­de? Nein, und aber­mals nein. 18Stattdessen: Wenn ich genau das wie­der auf­rich­te, was ich nie­der­ge­ris­sen habe, bezich­ti­ge ich mich selbst der Über­tre­tung. 19Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestor­ben, damit ich für Gott lebe. Mit dem Chris­tus bin ich mit­ge­kreu­zigt wor­den. 20Und ich lebe nicht mehr, son­dern in mir lebt der Chris­tus. Was ich jetzt in mei­ner leib­li­chen Exis­tenz lebe, lebe ich im Ver­trau­en auf den Sohn Got­tes, der mich geliebt und sich selbst aus­ge­lie­fert hat für mich. 21Ich erklä­re nicht das Geschenk der Zuwen­dung Got­tes für null und nich­tig. Denn wenn die Gerech­tig­keit durch gesetz­te Ord­nung käme, wäre der Chris­tus umsonst gestor­ben. (Vgl. BgS, zur Stel­le.)

Lie­be Gemein­de,

zum 11. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis ein Text des Pau­lus, der das geset­zes­freie Evan­ge­li­um für die Christ*innen in Gala­ti­en in unse­rem bzw. ihrem Mit­ster­ben und Mit­ge­kreu­zigt­wer­den mit Chris­tus begrün­det. (more…)

23. Juli 2018

Rosa Luxem­burg (1871-1919)

Karl Lieb­knecht                 und                   Rosa Luxem­burg

Die Frau ist wich­tig – und wird bis heu­te in der poli­ti­schen Lin­ken aner­kannt. Vgl. zu Leben und Wir­kung den Wiki­pe­dia-Arti­kel, der sehr dif­fe­ren­ziert belegt ist. Wir haben uns zur Bespre­chung ihres Bei­trags zur Rus­si­schen Revo­lu­ti­on ver­ein­bart. Der ist des­we­gen aus­schlag­ge­bend, weil hier eine nach­hal­ti­ge Kri­tik des leni­nis­ti­schen Prin­zips ent­hal­ten ist. Sie akzep­tiert Lenins revo­lu­tio­nä­re Pra­xis der Mach­terobe­rung der Bolschewist*innen, aber nicht die durch Ter­ror wei­ter durch­ge­führ­te Durch­set­zung des Pro­gramms, das auch zur Eli­mi­na­ti­on poli­ti­scher Gegner*innen führ­te. (more…)

12. Juli 2018

Die Pau­lus­brief­samm­lung

 

 

In allen Brie­fen der Pau­lus­brief­samm­lung fun­giert „Pau­lus“ als expli­zi­ter Autor. Dass der tat­säch­li­che Pau­lus nicht über­all der tat­säch­li­che oder rea­le Autor ist, ist am leich­tes­ten am Hebrä­er­brief zu erken­nen, das ist aber bei Eph, Kol, 2. Thess und 1.2 Tim sowie Tit auch nicht so schwer. Auch in der Anti­ke war das mög­lich, weil meh­re­re Text­edi­tio­nen mit fik­ti­ven, bekann­ten Auto­ren arbei­te­ten. Man­che Ausleger*innen mei­nen, es habe eine Pau­lusschu­le gege­ben. Der ent­schei­den­de Punkt ist aber, dass die Kri­tik des Pau­lus an der Tora, auch ande­re Fra­gen, wie sei­ne Hal­tung zur Skla­ve­rei für die gute Situa­ti­on christ­li­cher Gemein­den in der römi­schen Gesell­schaft zu gefähr­lich sei. Eini­ge Brie­fe der Pau­lus­brief­samm­lung ent­wi­ckeln daher ein Pau­lus­bild, das dem­je­ni­gen der Apos­tel­ge­schich­te ähnelt. Im Kern dreht es sich oft dar­um, ob die Christ*innen die Hei­li­gen Schrif­ten des Juden­tums als „Geset­ze der Väter“ oder  „Sit­ten der Älte­ren“ aner­ken­nen. Dann erkennt sie auch der Römi­sche Staat an, so hoff­te man. Wir sahen uns aus die­ser Text­welt Eph und 1Tim an. Wich­tig war aber, Pau­lus selbst zu erfas­sen. Denn er ist reli­gi­ös und theo­lo­gisch eine Aus­nah­me­ge­stalt im Chris­ten­tum. (more…)

11. Juli 2018

Eine mythi­sche Erzäh­lung von der Ent­ste­hung der Sün­de nach Röm 7,7ff – und ihrer frei­heits­zer­stö­ren­den töd­li­chen Fol­gen

Das The­ma der Sün­de bzw. bzw. des Sün­di­gens ist in der Bibel schon vor der Gesetz­ge­bung am Sinai prä­sent: Vgl. ἥμαρτες in Gen 4,7, zu den hebräi­schen Lexe­men אטח (ḥṭʼ), עשׁר (rš‘), הוע (‘wh) und עשׁפ (pš‘); dazu עער (r‘‘) vgl. hier.  Den­noch beschränkt Pau­lus die Rol­le des Geset­zes auf die päd­ago­gi­sche Funk­ti­on zur Erkennt­nis der Sün­de, wie wir in Gal 3 sahen, zudem von Engeln lan­ciert. Es ist erst 430 Jah­re nach Abra­ham dazu­ge­kom­men. Die­se Per­spek­ti­ve ist nur dann sinn­voll, wenn den Men­schen wie Gott die Fähig­keit zur sitt­li­chen Urteils­kraft zukommt, näm­lich „gut“ und „böse“ unter­schei­den zu kön­nen (expli­zit: Gen 3,22).
Pau­lus struk­tu­riert sei­nen Dis­kurs in Röm 7,7ff durch zwei Fra­gen:

ὁ νόμος ἁμαρτία; (7,7bff)
Τὸ οὖν ἀγαθὸν ἐμοὶ ἐγένετο θάνατος; (7,13ff) (more…)

Pre­di­ger Salo­mo, Kohe­let, Bibel­kun­de Hei­del­berg

Name

Das Buch Kohe­let wur­de wie das der Sprü­che dem König Salo­mo zuge­schrie­ben, obgleich es außer dem „Sohn Davids“ als Ver­fas­ser­an­ga­be in 1,1 und ver­schie­de­nen Andeu­tun­gen (vgl. 1,12+16) kei­nen Hin­weis auf eine sol­che Autor­schaft gibt. Der Ver­fas­ser wird 1,1 als קֹהֶלֶת, qohœlœt (= Ver­samm­lungs­lei­ter) bezeich­net, was M. Luther als „Pre­di­ger“ über­setz­te. In der grie­chi­schen Über­set­zung fin­det sich die eben­falls als Name des Buches gebräuch­li­che Über­set­zung ἐκκλησιαστής, ekklē­si­as­tēs. Das Buch Kohe­let gehört zu den fünf Megil­lot; es ist die Fest­rol­le für das Laub­hüt­ten­fest, in dem die Freu­de am Leben und an der Tora als rech­ter Wei­sung zum Aus­druck kom­men. Die­se Lebens­freu­de spricht auch aus wich­ti­gen Pas­sa­gen des Pre­di­ger­bu­ches. (more…)

7. Juli 2018

Mit­be­gra­ben- und Mit­ge­kreu­zigt­wer­den mit Jesus – die Tau­fe nach Röm 6, EfG Gries­heim

 

 

1Was schlie­ßen wir dar­aus? Sol­len wir unter der Herr­schaft der Sün­de blei­ben, damit die gött­li­che Zuwen­dung anwach­se? 2Gewiss nicht! Die Ver­bin­dung zwi­schen uns und der Herr­schaft der Sün­de ist abge­stor­ben. War­um soll­ten wir wei­ter in ihrem Macht­be­reich leben?
3Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir in den Chris­tus Jesus hin­ein getauft wur­den, in sei­nen Tod hin­ein getauft wur­den? 4Durch die Tau­fe sind wir mit ihm zusam­men begra­ben, sodass auch wir der Macht der Sün­de abge­stor­ben sind. Jetzt kön­nen auch wir in einem erneu­er­ten Leben unse­ren Weg gehen, eben­so wie der Chris­tus von den Toten „auf­ge­weckt“ wur­de durch den Glanz Got­tes, des Ursprungs allen Lebens. 5Wenn wir näm­lich mit ihm zusam­men­ge­wach­sen sind in der Gestalt sei­nes Todes, so wer­den wir es gewiss auch in der Gestalt sei­nes „Auf­ste­hens“ sein.
6Dieses wis­sen wir doch: Unser alter Mensch wur­de mit­ge­kreu­zigt. So ist der ver­sklav­te Leib tot, und wir müs­sen der Macht der Sün­de nicht län­ger die­nen. 7Denn wer so gestor­ben ist, ist von jedem Rechts­an­spruch der Macht der Sün­de los­ge­spro­chen. 8Da wir zusam­men mit dem Chris­tus gestor­ben sind, kön­nen wir auch dar­auf ver­trau­en, dass wir zusam­men mit ihm leben wer­den. 9Wir wis­sen doch, dass der Chris­tus, der von den Toten „auf­ge­weckt“ wur­de, nie­mals mehr stirbt: Der Tod hat kei­ne Gewalt mehr über ihn. 10Mit dem Tod, den er starb, starb die Bezie­hung zur Herr­schaft der Sün­de ein für alle Mal. Das Leben, das er lebt, lebt er in Bezie­hung zu Gott. 11Genauso sollt ihr euch ver­ste­hen: als der Herr­schaft der Sün­de abge­stor­ben, leben­dig in der Bezie­hung zu Gott im Chris­tus Jesus.
12Nun soll die Sün­de in eurem sterb­li­chen Leib nicht mehr regie­ren. Sie nötigt uns dazu, sei­ner Gier zu gehor­chen. 13Stellt die Glie­der eures Leibs nicht län­ger als Waf­fen der Unge­rech­tig­keit in den Dienst der Macht der Sün­de. Ihr, die ihr gleich­sam von Toten zu Leben­di­gen gewor­den seid, stellt euch Gott zur Ver­fü­gung und die Glie­der eures Lei­bes als Werk­zeu­ge der Gerech­tig­keit in den Dienst Got­tes. 14Die Sün­de wird nicht eure Her­rin blei­ben. (Vgl. Bibel in gerech­ter Spra­che)

 

Lie­be Gemein­de,

vor einer bap­tis­ti­schen Gemein­de über einen Tauf­text zu pre­di­gen, setzt wohl vor­aus, dass man sich selbst erklärt. Ich bin selbst mit 15 in Hil­chen­bach im Sie­ger­land in einem Tauf­be­cken getauft wor­den und hät­te es gut gefun­den, wenn mei­ne bei­den Kin­der im Kon­text der Kon­fir­ma­ti­on getauft wor­den wären, was auch eine Fra­ge der Reli­gi­ons­mün­dig­keit ist. (more…)

5. Juli 2018

Das Johan­nes­evan­ge­li­um

 

Das Johan­nes­evan­ge­li­um  (Johev) ist viel­leicht um die Jahr­hun­dert­wen­de vom 1. zum 2. Jahr­hun­dert der Zeit­rech­nung geschrie­ben wor­den. Das bleibt aber sehr unsi­cher.

Sehr wahr­schein­lich kann­te der tat­säch­li­che Autor des Tex­tes das Mkev. Jeden­falls steht er ihm nar­ra­tiv sehr nahe, näher als die bei­den kla­ren Benut­zer des Mkev bei Mat­thä­us und Lukas. Thy­en, Das Johan­nes­evan­ge­li­um (HNT 6), 2015, unter­stellt, das er alle drei syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en benutzt. Wir bespra­chen den Pro­log (Joh 1,18ff), Joh 17 und den Epi­log (20,30-21,25). (more…)

4. Juli 2018

Gal 5,1-6

 

Gal 5,1-6 ist mit dem Polyp­to­ton ἐλευθερίᾳ … ἠλευθέρωσεν der rhe­to­risch stark sti­li­sier­te bedeu­ten­de pau­li­ni­sche Frei­heits­text, der sich hier vom Skla­ve­rei-Kon­text (ζυγῷ δουλείας [5,1]) der wohl durch mis­sio­na­ri­sche Emp­feh­lung am „Gesetz der Väter“ ori­en­tier­ten Galater*innen, klar absetzt. Da der Text wich­ti­ge Aspek­te des Vor­tex­tes resü­miert, nutz­ten wir das zur Wie­der­ho­lung von zuvor Erar­bei­te­ten. Der Frei­heits­be­griff liegt sowohl der jüdi­schen Reli­gi­on seit Ex 20 als auch der grie­chi­schen poli­ti­schen und phi­lo­so­phi­schen Tra­di­ti­on zugrun­de, stets mit dem Gegen­satz der Skla­ve­rei. Es wur­de auch von einer Teil­neh­me­rin erwähnt, dass der Skla­ven­los­kauf von Pau­lus als Erlö­sungs­bild ver­wen­det wird. (more…)