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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


21. Mai 2019

Reli­gi­ons­ge­schich­te Ber­pre­digt

 

 

18. Mai 2019

Mt 5,13-20, Di 14.05.

 

 

Die Sit­zung ver­such­te Mt 5,13-20 zu bespre­chen.
5,13-16 bie­ten die direk­te Anre­de ans Publi­kum: Ihr sei das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Anhand der Über­schrift in der Guten Nach­richt erör­ter­ten wir, ob es Impe­ra­ti­ve sei­en? Dass das Salz salz­los wer­den könn­te, schien ein Argu­ment dafür zu sein. (more…)

17. Mai 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, fünf­te Vor­le­sung

 

 

Streik katho­li­scher Frau­en vor Maria mit ange­deu­te­ter Vul­va

VOR­SPRUCH

Zu Schlei­er­ma­cher kön­nen Sie den ver­link­ten Text lesen.   Zu Bult­mann kön­nen wir noch die Abbil­dun­gen ab hier erör­tern, den Bezug auf Hans Jonas, Prin­zip Ver­ant­wor­tung, Mythos-Pro­blem, eben­so Extra­va­ganz, wel­che das Objek­ti­vie­rungs-Pro­blem zu unter­lau­fen ver­sucht.

1 Ein­füh­rung

Die theo­lo­gi­sche Bear­bei­tung der Benach­tei­li­gung der Frau­en begann pro­tes­tan­tisch bei Luther, der erkann­te, dass es nicht schlüs­sig sei, die Frau­en von der Pre­digt­tä­tig­keit aus­zu­schlie­ßen, allein ihre Stim­me sei zu schwach, sodass sie nur dann zum Zuge kämen, wenn kein Mann pre­di­gen kön­ne. Schlei­er­ma­cher sah in sei­ner Päd­ago­gik-Vor­le­sung seit 1814 vor, dass die Mäd­chen zur Schu­le gehen müss­ten, nur durch Bil­dung wür­den die Frau­en an allen Aspek­ten des orga­ni­sie­ren­den und bezeich­nen­den Han­delns par­ti­zi­pie­ren kön­nen. In Deutsch­land zeig­ten sich ers­te Erfol­ge in der Wei­ma­rer Repu­blik, im Wis­sen­schafts­sys­tem zuvor schon in der Schweiz. Intel­lek­tu­el­le Frau­en sind Rosa Luxem­burg und Han­nah Arendt, letz­te­re eine Schü­le­rin Rudolf Bult­manns. Die Posi­ti­on in den frü­hen 1970er Jah­ren, Bibel und Chris­ten­tum sei­en domi­nant patri­ar­chal geprägt, spi­ri­tu­el­le Frau­en müss­ten sich an Göt­tin­nen ori­en­tie­ren, lie­ßen in den 1980er Jah­ren nach. In den 1990er Jah­ren setz­te sich bei man­chen Femi­nis­tin­nen die Ein­sicht durch, dass ihre Zie­le wohl nur gemein­sam mit Män­nern durch­setz­bar wären. Die Frau­en sind heu­te genau­so gut oder bes­ser gebil­det wie bzw. als Män­ner, daher steht ihnen kirch­lich alles offen. (more…)

10. Mai 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, vier­te Vor­le­sung

 

 

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur zwei­ten Vor­le­sung über die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments in der Moder­ne, die anhand des Ansat­zes von Rudolf Bult­mann wich­ti­ge Aspek­te der künf­ti­gen Vor­ge­hens­wei­se skiz­ziert.

In der Schlei­er­ma­cher-Vor­le­sung kam es zu Rück­fra­gen oder auch Ein­wän­den bezüg­lich des Wesens des Chris­ten­tums im Blick auf aktu­el­le Erschei­nun­gen wie Pro­tes­tan­tis­mus­kri­tik oder auch Zuge­hö­rig­keits­be­haup­tun­gen der AfD, was man/frau sich etwa an Bea­trix von Storch oder Alex­an­der Gau­land, des­sen Toch­ter Pfar­re­rin der EKHN ist, klar­ma­chen kann. Es ist zu beto­nen, dass das alles fair und auf dem Weg des διαλέγεσθαι (dia­lé­ges­t­hai) gesche­hen muss, mit NT und phi­lo­so­phi­scher Theo­lo­gie als nor­ma­ti­vem Inter­pre­tant unter Ein­be­zug der Kir­chen­ge­schich­te seit dem letz­ten Drit­tel des 19. Jhdts, wobei es in der Wei­ma­rer Repu­blik hef­ti­gen Wider­stand gegen den Art. 137 WRV gab, der Tren­nung von Kir­che und Staat, dazu reli­gi­ös-welt­an­schau­li­chen Plu­ra­lis­mus ver­füg­te und über Art. 140 GG auch für die Bun­des­re­pu­blik gilt. Anhand des Pro­blems des Frem­den­has­ses dürf­te der Schlei­er­ma­cher­sche Bezug auf NT, auch die Bibel ins­ge­samt ein­leuch­ten. Trotz­dem bleibt das aktu­el­le Pro­blem der Aus­ein­an­der­set­zung bestehen. Bestimm­te the­ma­ti­sier­te Sach­ver­hal­te sind m. E. straf­recht­lich rele­vant, aber m. E. ist es bezo­gen auf die Jesus­tra­di­ti­on ange­mes­sen, das Gespräch zu suchen, was offen­sicht­lich anstren­gend ist – und man­chem* als aus­sichts­los erscheint.

Eine wei­te­re Rück­fra­ge galt mei­ner Ver­tei­di­gung von Schlei­er­ma­chers Modell gegen „Dog­ma­tik als Stück der Prak­ti­schen Theo­lo­gie“ (Wil­helm Gräb), weil dann NT und phi­lo­so­phi­sche Theo­lo­gie nicht mehr als nor­ma­ti­ver Inter­pre­tant fun­gie­ren. Das Chris­ten­tum hat m. E. nicht erst mit der Auf­klä­rung begon­nen.

Gibt es wei­te­re Rück­fra­gen zur letz­ten Vor­le­sung?

Ich bezie­he mich heu­te auf fol­gen­de Wer­ke und Auf­sät­ze häu­fig, die ich dann im Text nur mit Namen und Jah­res­zahl zitie­re:

Bult­mann 19511; Bult­mann 19522; Bult­mann 19673; Bult­mann 19844; Dew­ey 19345; Dew­ey 20086; Ditt­mer 20017; 8; Lin­de 20139; Pött­ner 199510.

Ich begin­ne mit einer Ein­füh­rung (1.), wen­de  mich sodann dem Ent­my­tho­lo­gi­sie­rungs­pro­gramm bzw. der exis­ten­zia­len Inter­pre­ta­ti­on (2.) zu und erör­te­re schließ­lich mög­li­che Fort­schrei­bun­gen von Bult­manns Posi­ti­on (3.).

1 Ein­füh­rung

Rudolf Bult­mann ist wie Schlei­er­ma­cher ein außer­ge­wöhn­li­cher Theo­lo­ge, der welt­of­fen leb­te und dach­te. Vgl. Sie den Über­blick im (https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Bultmann ) Wiki­pe­dia-Arti­kel, wo auch wich­ti­ge Lite­ra­tur­an­ga­ben zu fin­den sind. Sowohl in sei­ner Schu­le und noch stär­ker bei sei­nen Geg­nern herrscht aber eine Lek­tü­re vor dem Hin­ter­grund von Über­ver­ein­fa­chun­gen vor, die sicht­bar macht, dass im evan­ge­li­schen Dis­kurs zu wenig Übung in wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen und phi­lo­so­phi­schen Fra­ge­stel­lun­gen besteht. In bei­den Dis­zi­pli­nen war Bult­mann aber gut – und daher wird er m. E. auch heu­te noch in man­chen Aspek­ten falsch inter­pre­tiert und/oder auch falsch bewer­tet. Die durch­schnitt­li­chen Feh­ler fin­den sich auch im Wiki­pe­dia-Arti­kel. (more…)

  1. Bult­mann, Rudolf, 1951, Neu­es Tes­ta­ment und Mytho­lo­gie, in: H. W. Bartsch (Hg.), Keryg­ma und Mythos. Ein theo­lo­gi­sches Gespräch, Ham­burg, 15-48
  2. Bult­mann, R., 1952, Zum Pro­blem der Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung, in: H. W. Bartsch (Hg.) Keryg­ma und Mythos. II. Band. Dis­kus­sio­nen und Stim­men zum Pro­blem der Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung, Ham­burg, 179-208
  3. Bult­mann, R., 1967, Exege­ti­ca, E. Dink­ler (Hg.), Tübin­gen
  4. Bult­mann, R., 1984, Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments, 9. Aufl. Tübin­gen
  5. Dew­ey, John, 1934, A Com­mon Faith., new ed. 2013: Th. A. Alex­an­der (Hg.), New York
  6. Dew­ey, J., 2008, Logik. Die Theo­rie der For­schung, stw 1902, Frank­furt u. a.
  7. Ditt­mer, Johan­nes, 2001, Schlei­er­ma­chers Wis­sen­schafts­leh­re als Ent­wurf einer pro­zes­sua­len Meta­phy­sik in semio­ti­scher Per­spek­ti­ve. Tria­di­zi­tät im Wer­den, TBT 113, Ber­lin u. a.
  8. Ditt­mer, J., 2014: Dis­kus­si­ons­bei­trag zum Ent­my­tho­lo­gi­sie­rungs­ar­ti­kel: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/2014/06/29/art-entmythologisierung-diskussionsentwurf
  9. Lin­de, Gesche, 2013, Zei­chen und Gewiss­heit. Semio­ti­sche Ent­fal­tung eines pro­tes­tan­tisch-theo­lo­gi­schen Begriffs, RPT 69, Tübin­gen
  10. Pött­ner, Mar­tin, 1995, Rea­li­tät als Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ansät­ze zur Beschrei­bung der Gram­ma­tik des pau­li­ni­schen Spre­chens in 1Kor 1,4-4,21 im Blick auf lite­ra­ri­sche Pro­ble­ma­tik und Situa­ti­ons­be­zug des 1. Korin­ther­briefs, Theo­lo­gie 2, Ber­lin u. a.
4. Mai 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, drit­te Vor­le­sung

 

 

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur ers­ten Vor­le­sung zum The­men­ab­schnitt „Neu­tes­ta­ment­li­che Her­me­neu­tik in der Moder­ne“, in der es aus­führ­lich um den Ent­wurf Schlei­er­ma­chers gehen soll. Viel­leicht über­rascht es Sie, dass ich Schlei­er­ma­cher und Bult­mann als wich­tigs­te Ver­tre­ter der Moder­ne anse­he und sie nur durch Mag­da­le­ne Frett­löh ergän­zen wer­de. Natür­lich set­ze ich mich bei der Dis­kus­si­on des Bild­be­griffs auch mit den Bei­trä­gen Phil­ipp Sto­ell­gers aus­ein­an­der, sodass Sie nicht befürch­ten müs­sen, ich beach­te­te aktu­el­le Bei­trä­ge nicht. Ich bin nur der Über­zeu­gung, dass man­ches schon gesagt ist – und dar­auf möch­te ich Sie hin­wei­sen.

1 Der Ansatz Fried­rich D. E. Schlei­er­ma­chers: Omnis deter­mi­na­tio est nega­tio – jede Bestim­mung ist eine Ver­nei­nung (alles ande­ren) – und die Kon­se­quen­zen der Gel­tung die­ser Regel

An Schlei­er­ma­cher ist beein­dru­ckend, dass er Theo­lo­gie vor dem Hin­ter­grund einer umfas­sen­den Bil­dung in dia­lek­ti­scher Gesprächs­füh­rung wie in man­chen pla­to­ni­schen Dia­lo­gen betreibt. Damit ist gemeint, dass er bestimm­te Posi­tio­nen oder Fest­le­gun­gen nie­mals iso­liert affir­miert oder behaup­tet, son­dern häu­fig den gesam­ten Pro­zess offen legt, wie er zu einer bestimm­ten Fest­le­gung gekom­men ist – und wel­che ande­ren Mög­lich­kei­ten es ansons­ten gibt 1 Das müs­sen oder soll­ten wir als aller­ers­tes ver­ste­hen. (more…)

  1. Zu Schlei­er­ma­chers Ansatz vgl. die bis­lang uner­reich­te Stu­die von Johan­nes Ditt­mer, Schlei­er­ma­chers Wis­sen­schafts­leh­re als Ent­wurf einer pro­zes­sua­len Meta­phy­sik in semio­ti­scher Per­spek­ti­ve. Tria­di­zi­tät im Wer­den, 2001 (TBT 113 Lit. !). Zum Leben Schlei­er­ma­chers vgl. Kurt Nowak, Göt­tin­gen, 2. Aufl. 2002 (UTB 2215).
2. Mai 2019

Berg­pre­digt, Darm­stadt

Ein­füh­rung in die exege­ti­schen Metho­den und das wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten: Die Berg­pre­digt (Mt 5-7)

Semi­nar Eins:

Ver­schie­de­ne Men­schen behaup­ten, dass die Berg­pre­digt eine Gesin­nungs­ethik sei, vor allem im Anschluss an Max Weber.
Metho­den der Her­me­neu­tik sol­len in die­sem Semi­nar erlernt und ange­wen­det wer­den.

Glie­de­rung von Mat­thä­us 5, 1-12:
Die ers­ten zwei Ver­se las­sen sich als Ein­lei­tung zusam­men­fas­sen, hier wird die Situa­ti­on zu Beginn beschrie­ben. Jesus sah das Volk, stieg auf einen Berg und setz­te sich, wie für einen leh­ren­den Rab­bi in der Syn­ago­ge üblich, hin. Er stieg ver­mut­lich auf den Berg um bes­ser gehört zu wer­den.

Die Ver­se drei bis elf geben dann Jesu Wor­te wie­der.
Unter­glie­dern lässt sich der Text des Wwei­te­ren in Ver­se 3-10 und 11f.
Auf­fal­lend ist hier­bei der immer glei­che Satz­be­ginn in den Ver­sen drei bis zehn: „Selig sind …“, der sehr all­ge­mein gehal­ten ist und das Publi­kum nicht direkt adres­siert. Nach dem immer glei­chen Anfang steht eine Beschrei­bung des aktu­el­len Zustan­des, gefolgt von dem letz­ten Satz­teil, der den Grund für das Selig-/ Glück­lich­sein beschreibt. Die bei­den Satz­tei­le stel­len meist einen Gegen­satz dar, so wird das aktu­ell im Leben Domi­nan­te umge­kehrt, die­se Umkeh­rung wird posi­tiv dar­ge­stellt (Ver­se: 4, 6, 7,) z.B. Vers vier: „Selig sind, die da Leid tra­gen; denn sie sol­len getrös­tet wer­den.“ .
In den Ver­sen 3, 5, 8-10 wer­den posi­ti­ve Eigen­schaf­ten und die posi­ti­ve Kon­se­quenz der Aus­übung die­ser beschrie­ben.

Die Ver­se elf und zwölf sind eine direk­te Anre­de an die Zuhö­rer: „Selig seid Ihr …“. und stel­len als gan­zen Satz dar, was ein unan­ge­neh­mer, aber guter Ist­zu­stand wäre. Der Grund für das Selig­sein erfolgt im nächs­ten Satz, denn für die­sen unan­ge­neh­men Zustand, so Vers zwölf, wird man „im Him­mel reich­lich belohnt wer­den“. Des­we­gen soll man fröh­lich sein und jubeln, da es den Pro­phe­ten auch so ergan­gen ist.
Pro­phe­ten waren zu ihren Leb­zei­ten im Volk schlecht ange­se­hen, was ihnen auch oft zu schaf­fen mach­te (sie­he Jeremia/Jesaja).

 

25. April 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments, zwei­te Vor­le­sung

§ 2: Die Ent­ste­hung der dyna­mi­schen Schrift­re­li­gi­on im Juden­tum – und ihre Fort­set­zung im Neu­en Tes­ta­ment

Inhalt

Zu Ende füh­ren des § 1, Ver­ständ­nis­fra­gen und Kri­tik. Vor­spruch:

Bit­te lesen Sie den Abschnitt 4 von § 1. Mir ist wich­tig, dass Sie Schlei­er­ma­chers Über­le­gun­gen zum Hebrais­mus ver­ste­hen, auch das­je­ni­ge, was ich zur LXX, der grie­chi­schen Über­set­zung der aramäischen/hebräischen Tex­te sage. Dazu kom­men Abgren­zun­gen zu Posi­tio­nen, die unter­stel­len, es gebe beson­de­re geist­ge­wirk­te Regeln, mit­tels derer man/frau ggf. nur den Sinn neu­tes­ta­ment­li­cher Tex­te ver­ste­hen kön­ne.
Abb. 4: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/wp-content/uploads/2019/04/Screenshot_20190217-200930_PowerPoint-e1555170097239.jpg
M. E. gab es Ver­ständ­nis­fra­gen zu den bei­den fol­gen­den Gra­fi­ken bzw. zu dem damit dar­ge­stell­ten Inhalt:
Abb. 1: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/wp-content/uploads/2019/02/Zeitliches-Selbstverh%C3%A4ltnis-Zeichen-und-Religiosit%C3%A4t-e1550242280334.jpg
Abb. 2: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/wp-content/uploads/2019/04/Screenshot_20190217-200930_PowerPoint-e1555170097239.jpg
Dar­über kön­nen wir ger­ne noch ein­mal spre­chen bzw. dis­ku­tie­ren. Eben­so über das Fol­ge­pro­blem, dass ich „die Wahr­heit“ in „unse­rem“ Ver­hält­nis zu Chris­tus sehe, vgl. Joh 14,6 mit 18,37f und die Reich­wei­te in Joh 1,1-3!

Kri­tik

Müss­te nicht „Queer“-Hermeneutik ein­be­zo­gen wer­den https://www.queer.de/ ?!!! M. E. eher nicht, da seit den 1980er Jah­ren die femi­nis­ti­sche Her­me­neu­tik die­ses The­ma mit­be­ar­bei­tet hat, so auch Frett­löh, die sich auf Judith But­ler bezieht. M. E. kommt die früh­ro­man­ti­sche Posi­ti­on hin­zu, die Gegen­sät­ze wie Mann/Frau nicht scharf, son­dern eher als Über­gän­ge ver­steht. So sind Tex­te wie Gen 1,26ff und Gal 3,26ff m. E. am bes­ten zu ver­ste­hen.

1. Ein bibli­sches Bei­spiel: Gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24

2. Die Schrift­ge­lehr­ten im Juden­tum

3. Der Anschluss des Neu­en Tes­ta­ments an die dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung im Juden­tum

 

Mei­ne Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie zur zwei­ten Vor­le­sung über die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments. Heu­te geht es um die Ent­ste­hung der  dyna­mi­schen Schrift­re­li­gi­on im Juden­tum, von der das Chris­ten­tum des Neu­en Tes­ta­ments geprägt ist und von der es eine Fort­ent­wick­lung dar­stellt. Bevor ich damit begin­ne, möch­te ich fra­gen, ob es Rück­fra­gen zur letz­ten Stun­de gibt oder ob Sie Ein­wän­de äußern möch­ten.

 

Die heu­ti­ge Vor­le­sung hat fol­gen­de Struk­tur:

1 Ein bibli­sches Bei­spiel: Gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24
2 Die Schrift­ge­lehr­ten im Juden­tum
3 Der Anschluss des Neu­en Tes­ta­ments an die dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung im Juden­tum

1 Ein bibli­sches Bei­spiel: Gen 1,1-2,4a und 2,4b-3,24

Wir sahen anhand der Aus­le­gung von 1Kor 14, dass für Pau­lus das her­me­neu­ti­sche Pro­blem als Pro­blem des Ver­ste­hens frem­der Zei­chen und eben­so der Fra­ge des mög­li­chen Ein­ver­ständ­nis­ses mit dem von die­sen Zei­chen Bezeich­ne­ten oder Dar­ge­stell­ten trans­pa­rent war. Den­ken Sie an die Erwäh­nung des* Lai­en* oder Ungläu­bi­gen*, der vor dem Hin­ter­grund trans­pa­ren­ter Zei­chen poten­zi­ell sein Ein­ver­ständ­nis mit der Glau­bens­kom­mu­ni­ka­ti­on der korin­thi­schen Gemein­de äußern könn­te.

Natür­lich könn­te man mei­nen, Pau­lus habe auch die Her­me­neu­tik erfun­den. Aber Pau­lus war ein pha­ri­säi­scher Schrift­ge­lehr­ter (Phil 3). Daher liegt es nahe, dass die­se Fra­gen schon zuvor im Juden­tum dis­ku­tiert wor­den sind. Ähn­lich gibt es im grie­chi­schen Wis­sen­schafts­sys­tem phi­lo­lo­gi­sche Bestre­bun­gen ins­be­son­de­re in Alex­an­dria, Der­ar­ti­ges zu the­ma­ti­sie­ren. Wir kon­zen­trie­ren uns auf den Pro­zess im Juden­tum, der sich aber kei­nes­wegs unab­hän­gig von den Ent­wick­lun­gen in der grie­chi­schen Kul­tur voll­zo­gen hat.

Jeder* Leser* der jüdi­schen Bibel wird sofort in den ers­ten drei Kapi­teln auf das Pro­blem gesto­ßen. (more…)

Das Jere­miabuch (insb. 1-25)

Jere­mia

Wirk­sam­keit

Der Pro­phet Jere­mia („JHWH grün­det“) stammt, so die Über­schrift, aus einer pries­ter­li­chen Fami­lie aus dem Ort Ana­tot bei Jeru­sa­lem. Jere­mia wirk­te von 627-587, sei­ne Wirk­sam­keit ist in vier Pha­sen zu unter­tei­len:

– Früh­zeit­ver­kün­di­gung unter Joschi­ja vor 609: Jer 1-6
– Regie­rungs­zeit Jojakims (bis 598): Jer 7-20
– 597 bis zum Ende Jeru­sa­lems: Jer 21-22+24+27-29
– Nach Beginn des Exils (587/6): Jer 40-44 (Bericht).

Das Jere­miabuch berich­tet im Unter­schied zu Jesa­ja von nur einem Pro­phe­ten, doch lässt sich auch in ihm ein kom­pli­zier­ter Wachs­tums­pro­zess fest­stel­len, den man zumin­dest in sei­nen Grund­zü­gen ken­nen soll­te.

Text­for­men

Über­sicht über den Auf­bau des Jere­miabu­ches nach MT (Maso­re­ti­schem Text) und LXX (griech. Übs.)
MT                                                       LXX
1,1-25,14 Wor­te gegen Juda             1,1-25,13
25,15-38 Fremd­völ­ker­sprü­che          25,15-38+
(in LXX abwei­chen­de Rei­hen­fol­ge)    Kap. 46-51
………………………………………………….26-35
26-35 Bericht und Heils­an­sa­gen 36-45
36-45 Jere­mi­as Lei­den
46-51 wei­te­re Fremd­völ­ker­sprü­che
52 Die Zer­stö­rung Jeru­sa­lems …………..52

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13. April 2019

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments I

§ 1: Hin­füh­rung zum Pro­blem

 

Ver­ehr­te Damen und Her­ren,

ich begrü­ße Sie in die­ser Vor­le­sung zu einer Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en  Neu­en Tes­ta­ments!

 

Inhalt

1 Pro­ömi­um
2 Über­blick
3 Das Pro­blem, das hin­ter der Her­me­neu­tik steht: die Fremd­heit der Zei­chen­ver­wen­dung ande­rer Men­schen
4 All­ge­mei­ne und spe­zi­el­le Her­me­neu­tik?

 

Wie Sie am  Inhalts­ver­zeich­nis sehen kön­nen, hat die heu­ti­ge Vor­le­sung vier Abschnit­te. Zunächst erläu­te­re ich im Pro­ömi­um bzw. der Vor­re­de skiz­zen­haft das­je­ni­ge, was ich vor­ha­be. Sodann gebe ich einen Über­blick über den geplan­ten Inhalt und bestimm­te for­ma­le Aspek­te die­ser Vor­le­sung. Wei­ter ver­su­che ich einen Anschluss­punkt für das her­me­neu­ti­sche Pro­blem im Neu­en Tes­ta­ment selbst zu fin­den, da in 1Kor 14 m. E. das zen­tra­le Pro­blem der Fremd­heit expli­zit erwähnt und mit der Metho­de der Über­set­zung ange­gan­gen wird.
Der letz­te Abschnitt the­ma­ti­siert das Pro­blem der all­ge­mei­nen und der spe­zi­el­len Her­me­neu­tik, wie es auch in Schlei­er­ma­chers Her­me­neu­tik und Kri­tik, 1977 (stw 211) for­mu­liert wird. (more…)

2. April 2019

Tod Got­tes und Wahr­heit, Joh 18,28ff – EfG Gries­heim

Lovis Corinth, Ecce homo, hier ist der Mensch! (1925)

 

Schrift­le­sung: Psalm 43,1-5

 

18,28 Sie brach­ten Jesus vom Ober­pries­ter Kaja­phas zum Prä­to­ri­um [der Resi­denz des Römi­schen Statt­hal­ters]. Es war früh am Mor­gen. Und sie gin­gen nicht in das Prä­to­ri­um hin­ein, um sich nicht zu ver­un­rei­ni­gen, damit sie das Pes­sach­mahl [bzw. Pas­sa­mahl] essen könn­ten. 29 Also kam Pila­tus zu ihnen her­aus und sag­te: »Wel­che Ankla­ge erhebt ihr gegen die­sen Men­schen?« 30 Sie ant­wor­te­ten und sag­ten zu ihm: »Wenn er nicht ein Ver­bre­cher wäre, hät­ten wir ihn dir nicht aus­ge­lie­fert.« 31 Da sag­te Pila­tus zu ihnen: »Nehmt ihr ihn und ver­ur­teilt ihn nach eurem Gesetz­buch!« Die Juden* sag­ten zu ihm: »Es ist uns nicht erlaubt, einen Men­schen hin­zu­rich­ten.« 32 Dies geschah, damit das Wort Jesu erfüllt wer­de, mit dem er ange­kün­digt hat­te, auf wel­che Wei­se er ster­ben soll­te. 33 Pila­tus ging wie­der hin­ein ins Prä­to­ri­um, rief Jesus und sag­te zu ihm: »Bist du der König des jüdi­schen Vol­kes?« 34 Jesus ant­wor­te­te: »Ist das dei­ne Mei­nung oder haben es dir ande­re über mich gesagt?« 35 Pila­tus ant­wor­te­te: »Bin ich etwa ein Jude? Ange­hö­ri­ge dei­nes Vol­kes und die Ober­pries­ter haben dich mir aus­ge­lie­fert. Was hast du getan?« 36 Jesus ant­wor­te­te: »Mein König­reich gehört nicht die­ser Welt an. Wenn mein König­reich die­ser Welt ange­hö­ren wür­de, wür­den mei­ne Leu­te kämp­fen, damit ich nicht der Jeru­sa­le­mer Stadt­herr­schaft 1 wer­de. Mein König­reich ist aber nicht von hier.« 37Da sag­te Pila­tus zu ihm: »Bist du also doch König?« Jesus ant­wor­te­te: »Du sagst, dass ich König bin. Ich bin dazu gebo­ren und in die Welt gekom­men, dass ich die Wahr­heit bezeu­ge. Alle, die der Wahr­heit ange­hö­ren, hören auf mei­ne Stim­me.« 38 Pila­tus frag­te ihn: »Was ist Wahr­heit?« Und als er dies gesagt hat­te, ging er wie­der hin­aus zu den Ver­tre­tern der Jeru­sa­le­mer Stadt­herr­schaft und sag­te ihnen: »Ich sehe kei­nen Grund, ihn zu ver­ur­tei­len. 39 Es ist aber Sit­te bei euch, dass ich euch zum Pes­sach­fest jemand frei­las­se. Wollt ihr nun, dass ich euch den König des jüdi­schen Vol­kes frei­las­se?« 40 Da schrien sie wie­der und sag­ten: »Nicht ihn, son­dern Bar­ab­bas.« Bar­ab­bas war ein Räu­ber. 19,1 Da nahm Pila­tus Jesus und ließ ihn aus­peit­schen. 2 Die Sol­da­ten floch­ten einen Kranz aus Dor­nen und set­zen ihn auf sei­nen Kopf. Sie zogen ihm ein Pur­pur­ge­wand an, 3 kamen zu ihm, sag­ten: »Sei gegrüßt, König von Isra­el!« und gaben ihm Ohr­fei­gen. 4 Pila­tus ging wie­der hin­aus und sag­te zu ihnen: »Hier brin­ge ich ihn zu euch hin­aus, damit ihr erkennt, dass ich kei­nen Grund sehe, ihn zu ver­ur­tei­len.« 5 Jesus kam her­aus und trug den Kranz aus Dor­nen und das Pur­pur­ge­wand. Und er sag­te zu ihnen: »Hier ist der Mensch!«2

Lie­be Gemein­de,

eine Sze­ne „anti­ker Grau­sam­keit“, wie Gerd Thei­ßen die Pas­si­on Jesu nennt. Der isla­mi­sche Staat, aber auch der rechts­ex­tre­me Ter­ro­rist in Neu­see­land ver­schaf­fen uns aktu­el­le Bei­spie­le sol­cher Grau­sam­keit. Wir kön­nen sie, falls wir das möch­ten, digi­tal wahr­neh­men, weil sie gefilmt und gestreamt wur­den. Unser Text ist eine Erzäh­lung, die wie alle Pas­si­ons­er­zäh­lun­gen der bibli­schen Evan­ge­li­en die Gewalt­sam­keit durch­aus dras­tisch und detail­liert dar­stellt. (more…)

  1. Ich über­set­ze den Aus­druck οἱ* Ἰουδαῖοι* (hoi Iou­daioi – die* Juden*) im Sin­ne des­sen, was gemeint ist. Es han­delt sich um eine rhe­to­ri­sche Figur, Meto­ny­mie bzw. pars pro toto, Teil für das Gan­ze bzw. umge­kehrt. Der Aus­druck „die Juden“ könn­te das Miss­ver­ständ­nis aus­lö­sen, als hät­ten alle Juden* o. Ä. Jesus getö­tet, was aber nicht der Sinn des Tex­tes ist. Seit Bult­manns Kom­men­tar 1941 m. E. klar.
  2. Vgl. BgS zur Stel­le!