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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


12. Juli 2018

Die Pau­lus­brief­samm­lung

 

 

In allen Brie­fen der Pau­lus­brief­samm­lung fun­giert „Pau­lus“ als expli­zi­ter Autor. Dass der tat­säch­li­che Pau­lus nicht über­all der tat­säch­li­che oder rea­le Autor ist, ist am leich­tes­ten am Hebrä­er­brief zu erken­nen, das ist aber bei Eph, Kol, 2. Thess und 1.2 Tim sowie Tit auch nicht so schwer. Auch in der Anti­ke war das mög­lich, weil meh­re­re Text­edi­tio­nen mit fik­ti­ven, bekann­ten Auto­ren arbei­te­ten. Man­che Ausleger*innen mei­nen, es habe eine Pau­lusschu­le gege­ben. Der ent­schei­den­de Punkt ist aber, dass die Kri­tik des Pau­lus an der Tora, auch ande­re Fra­gen, wie sei­ne Hal­tung zur Skla­ve­rei für die gute Situa­ti­on christ­li­cher Gemein­den in der römi­schen Gesell­schaft zu gefähr­lich sei. Eini­ge Brie­fe der Pau­lus­brief­samm­lung ent­wi­ckeln daher ein Pau­lus­bild, das dem­je­ni­gen der Apos­tel­ge­schich­te ähnelt. Im Kern dreht es sich oft dar­um, ob die Christ*innen die Hei­li­gen Schrif­ten des Juden­tums als „Geset­ze der Väter“ oder  „Sit­ten der Älte­ren“ aner­ken­nen. Dann erkennt sie auch der Römi­sche Staat an, so hoff­te man. Wir sahen uns aus die­ser Text­welt Eph und 1Tim an. Wich­tig war aber, Pau­lus selbst zu erfas­sen. Denn er ist reli­gi­ös und theo­lo­gisch eine Aus­nah­me­ge­stalt im Chris­ten­tum. (more…)

11. Juli 2018

Eine mythi­sche Erzäh­lung von der Ent­ste­hung der Sün­de nach Röm 7,7ff – und ihrer frei­heits­zer­stö­ren­den töd­li­chen Fol­gen

Das The­ma der Sün­de bzw. bzw. des Sün­di­gens ist in der Bibel schon vor der Gesetz­ge­bung am Sinai prä­sent: Vgl. ἥμαρτες in Gen 4,7, zu den hebräi­schen Lexe­men אטח (ḥṭʼ), עשׁר (rš‘), הוע (‘wh) und עשׁפ (pš‘); dazu עער (r‘‘) vgl. hier.  Den­noch beschränkt Pau­lus die Rol­le des Geset­zes auf die päd­ago­gi­sche Funk­ti­on zur Erkennt­nis der Sün­de, wie wir in Gal 3 sahen, zudem von Engeln lan­ciert. Es ist erst 430 Jah­re nach Abra­ham dazu­ge­kom­men. Die­se Per­spek­ti­ve ist nur dann sinn­voll, wenn den Men­schen wie Gott die Fähig­keit zur sitt­li­chen Urteils­kraft zukommt, näm­lich „gut“ und „böse“ unter­schei­den zu kön­nen (expli­zit: Gen 3,22).
Pau­lus struk­tu­riert sei­nen Dis­kurs in Röm 7,7ff durch zwei Fra­gen:

ὁ νόμος ἁμαρτία; (7,7bff)
Τὸ οὖν ἀγαθὸν ἐμοὶ ἐγένετο θάνατος; (7,13ff) (more…)

Pre­di­ger Salo­mo, Kohe­let, Bibel­kun­de Hei­del­berg

Name

Das Buch Kohe­let wur­de wie das der Sprü­che dem König Salo­mo zuge­schrie­ben, obgleich es außer dem „Sohn Davids“ als Ver­fas­ser­an­ga­be in 1,1 und ver­schie­de­nen Andeu­tun­gen (vgl. 1,12+16) kei­nen Hin­weis auf eine sol­che Autor­schaft gibt. Der Ver­fas­ser wird 1,1 als קֹהֶלֶת, qohœlœt (= Ver­samm­lungs­lei­ter) bezeich­net, was M. Luther als „Pre­di­ger“ über­setz­te. In der grie­chi­schen Über­set­zung fin­det sich die eben­falls als Name des Buches gebräuch­li­che Über­set­zung ἐκκλησιαστής, ekklē­si­as­tēs. Das Buch Kohe­let gehört zu den fünf Megil­lot; es ist die Fest­rol­le für das Laub­hüt­ten­fest, in dem die Freu­de am Leben und an der Tora als rech­ter Wei­sung zum Aus­druck kom­men. Die­se Lebens­freu­de spricht auch aus wich­ti­gen Pas­sa­gen des Pre­di­ger­bu­ches. (more…)

7. Juli 2018

Mit­be­gra­ben- und Mit­ge­kreu­zigt­wer­den mit Jesus – die Tau­fe nach Röm 6, EfG Gries­heim

 

 

1Was schlie­ßen wir dar­aus? Sol­len wir unter der Herr­schaft der Sün­de blei­ben, damit die gött­li­che Zuwen­dung anwach­se? 2Gewiss nicht! Die Ver­bin­dung zwi­schen uns und der Herr­schaft der Sün­de ist abge­stor­ben. War­um soll­ten wir wei­ter in ihrem Macht­be­reich leben?
3Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir in den Chris­tus Jesus hin­ein getauft wur­den, in sei­nen Tod hin­ein getauft wur­den? 4Durch die Tau­fe sind wir mit ihm zusam­men begra­ben, sodass auch wir der Macht der Sün­de abge­stor­ben sind. Jetzt kön­nen auch wir in einem erneu­er­ten Leben unse­ren Weg gehen, eben­so wie der Chris­tus von den Toten „auf­ge­weckt“ wur­de durch den Glanz Got­tes, des Ursprungs allen Lebens. 5Wenn wir näm­lich mit ihm zusam­men­ge­wach­sen sind in der Gestalt sei­nes Todes, so wer­den wir es gewiss auch in der Gestalt sei­nes „Auf­ste­hens“ sein.
6Dieses wis­sen wir doch: Unser alter Mensch wur­de mit­ge­kreu­zigt. So ist der ver­sklav­te Leib tot, und wir müs­sen der Macht der Sün­de nicht län­ger die­nen. 7Denn wer so gestor­ben ist, ist von jedem Rechts­an­spruch der Macht der Sün­de los­ge­spro­chen. 8Da wir zusam­men mit dem Chris­tus gestor­ben sind, kön­nen wir auch dar­auf ver­trau­en, dass wir zusam­men mit ihm leben wer­den. 9Wir wis­sen doch, dass der Chris­tus, der von den Toten „auf­ge­weckt“ wur­de, nie­mals mehr stirbt: Der Tod hat kei­ne Gewalt mehr über ihn. 10Mit dem Tod, den er starb, starb die Bezie­hung zur Herr­schaft der Sün­de ein für alle Mal. Das Leben, das er lebt, lebt er in Bezie­hung zu Gott. 11Genauso sollt ihr euch ver­ste­hen: als der Herr­schaft der Sün­de abge­stor­ben, leben­dig in der Bezie­hung zu Gott im Chris­tus Jesus.
12Nun soll die Sün­de in eurem sterb­li­chen Leib nicht mehr regie­ren. Sie nötigt uns dazu, sei­ner Gier zu gehor­chen. 13Stellt die Glie­der eures Leibs nicht län­ger als Waf­fen der Unge­rech­tig­keit in den Dienst der Macht der Sün­de. Ihr, die ihr gleich­sam von Toten zu Leben­di­gen gewor­den seid, stellt euch Gott zur Ver­fü­gung und die Glie­der eures Lei­bes als Werk­zeu­ge der Gerech­tig­keit in den Dienst Got­tes. 14Die Sün­de wird nicht eure Her­rin blei­ben. (Vgl. Bibel in gerech­ter Spra­che)

 

Lie­be Gemein­de,

vor einer bap­tis­ti­schen Gemein­de über einen Tauf­text zu pre­di­gen, setzt wohl vor­aus, dass man sich selbst erklärt. Ich bin selbst mit 15 in Hil­chen­bach im Sie­ger­land in einem Tauf­be­cken getauft wor­den und hät­te es gut gefun­den, wenn mei­ne bei­den Kin­der im Kon­text der Kon­fir­ma­ti­on getauft wor­den wären, was auch eine Fra­ge der Reli­gi­ons­mün­dig­keit ist. (more…)

5. Juli 2018

Das Johan­nes­evan­ge­li­um

 

Das Johan­nes­evan­ge­li­um  (Johev) ist viel­leicht um die Jahr­hun­dert­wen­de vom 1. zum 2. Jahr­hun­dert der Zeit­rech­nung geschrie­ben wor­den. Das bleibt aber sehr unsi­cher.

Sehr wahr­schein­lich kann­te der tat­säch­li­che Autor des Tex­tes das Mkev. Jeden­falls steht er ihm nar­ra­tiv sehr nahe, näher als die bei­den kla­ren Benut­zer des Mkev bei Mat­thä­us und Lukas. Thy­en, Das Johan­nes­evan­ge­li­um (HNT 6), 2015, unter­stellt, das er alle drei syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en benutzt. Wir bespra­chen den Pro­log (Joh 1,18ff), Joh 17 und den Epi­log (20,30-21,25). (more…)

4. Juli 2018

Gal 5,1-6

 

Gal 5,1-6 ist mit dem Polyp­to­ton ἐλευθερίᾳ … ἠλευθέρωσεν der rhe­to­risch stark sti­li­sier­te bedeu­ten­de pau­li­ni­sche Frei­heits­text, der sich hier vom Skla­ve­rei-Kon­text (ζυγῷ δουλείας [5,1]) der wohl durch mis­sio­na­ri­sche Emp­feh­lung am „Gesetz der Väter“ ori­en­tier­ten Galater*innen, klar absetzt. Da der Text wich­ti­ge Aspek­te des Vor­tex­tes resü­miert, nutz­ten wir das zur Wie­der­ho­lung von zuvor Erar­bei­te­ten. Der Frei­heits­be­griff liegt sowohl der jüdi­schen Reli­gi­on seit Ex 20 als auch der grie­chi­schen poli­ti­schen und phi­lo­so­phi­schen Tra­di­ti­on zugrun­de, stets mit dem Gegen­satz der Skla­ve­rei. Es wur­de auch von einer Teil­neh­me­rin erwähnt, dass der Skla­ven­los­kauf von Pau­lus als Erlö­sungs­bild ver­wen­det wird. (more…)

29. Juni 2018

Schät­ze­s­am­meln und Schöp­fungs­ver­trau­en, Mt 6,19-34

 

Wir befass­ten uns anhand des Tex­tes mit der Prag­ma­tik der Berg­pre­digt. Anhand von 6,1ff hat­ten wir schon gese­hen, dass es sich um eine stark auf das Indi­vi­du­um bezo­ge­ne Fröm­mig­keit han­delt.
6,19ff bezieht sich jetzt auf das Schät­ze­s­am­meln, das sei­nen Hin­ter­grund im Sor­gen um Essen, Klei­dung usf. haben soll. Ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den dem die Vögel und die Lili­en, die im Schöp­fungs­ver­trau­en leben. Dazu passt auch 6,21, wo gesagt wird, dass der jewei­li­ge Schatz dort sei, wo das eige­ne Herz sei, von Luther mit Recht zur Got­tes­be­stim­mung ver­wen­det.
Der Text ruft nicht zur Faul­heit auf, son­dern zum Stre­ben nach dem Reich Got­tes und sei­ner Gerech­tig­keit (6,33f), dann fie­len den so Stre­ben­den die ele­men­ta­ren Lebens­be­dürf­nis­se zu. Die­ses Stre­ben geht mit­hin eben­so mit einem Schöp­fungs­ver­trau­en ein­her, dass die Sor­ge jedes ein­zel­nen Tages wahr­nimmt – und nicht schon immer bei den Pro­ble­men kom­men­der Tage ist.
Das wur­de im Semi­nar inten­siv und m. E. krea­tiv dis­ku­tiert. Die mys­ti­sche Poin­te Jesu, die hier sicht­bar wird, ist heu­te lebens­prak­tisch offen­bar rezi­pier­bar.

28. Juni 2018

Das Gesetz als päd­ago­gi­scher Unfall, Gal 3,15ff

Gal 3,15ff ist einer der wich­tigs­ten Tex­te zur pau­li­ni­schen Bewer­tung bzw. Abwer­tung der jüdi­schen Tora. Man/frau sieht, dass Gott ins­be­son­de­re mit den Juden* dar­über inter­agiert, wäh­rend der Segen Abra­hams ande­ren Völ­kern ohne Tora zugäng­lich ist. (more…)

22. Juni 2018

Segen, Fluch und dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung (Gal 3,1ff)

Ein­füh­rung in die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments VIII

Wir näher­ten uns einem der ers­ten Tex­te zur pau­li­ni­schen Geset­zes­kri­tik, im Sin­ne der jüdi­schen Tora. Wir wer­den das in den nächs­ten Sit­zun­gen ver­tie­fen. Zunächst wur­den wir mit dem pau­li­ni­schen Gegen­satz von ἐξ ἔργων νόμου vs. ἐξ ἀκοῆς πίστεως kon­fron­tiert. Dabei wird gefragt, woher die Geis­ter­fah­rung der gala­ti­schen Gemein­de­glie­der stam­me (Gal 3,1ff). Pau­lus betont, er habe ihnen Chris­tus als Gekreu­zig­ten vor Augen gestellt bzw. gemalt (vgl. auch 6,17). Und dass nun eine Ori­en­tie­rung an der Beschnei­dung erfol­ge, hält Pau­lus für unbe­son­nen.

Das Pro­blem

In der Tat ist das The­ma der Beschnei­dung (περιτομή), vgl. 5,6ff, zen­tral für Gal. Zunächst ver­such­ten wir anhand von Ex 4,24ff zu ver­ste­hen, was gemeint ist. Dort will der Herr Mose töten. Moses Frau Zip­po­ra beschnei­det zuerst ihren Sohn und berührt mit dem Blut Moses Scham. Dar­aus lässt sich ent­neh­men, dass die­se schmerz­haf­te Ver­let­zung des Penis ein Ersatz für die Tötung ist, denn der Herr lässt nach. Da es ein patri­ar­cha­les Initia­ti­ons­ri­tu­al ist, wer­den die Frau­en ein­be­zo­gen.
Es stell­te sich die Fra­ge, was das hier soll? Wahr­schein­lich behaup­te­ten eini­ge Mis­sio­na­re, man müs­se sich beschnei­den las­sen, damit man so das Gesetz der Väter ach­te – und dem römi­schen Staat kei­nen Anlass gebe, die Christ*innen als Aufrührer*innen zu ver­däch­ti­gen (vgl. auch B. Kahl in der Bibel in gerech­ter Spra­che). Das könn­te erklä­ren, war­um Pau­lus betont, wenn man ein Gebot erfül­le, müs­se man das gesam­te Gesetz hal­ten (vgl. 3,10).

Segen und Fluch, die dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung

Gal 3 ist ein bedeu­ten­des Bei­spiel für die im schrift­ge­lehr­ten Juden­tum ent­wi­ckel­te Metho­de der dyna­mi­schen Schrift­aus­le­gung. Zu einer Dar­stel­lung vgl. hier. Die Idee, dass Pau­lus anti­ju­da­is­tisch inter­pre­tiert wer­den kön­ne, beruht auf einer unge­nau­en Kennt­nis des Juden­tums. Gleich­wohl wer­den bis zur Edi­ti­on der Pau­lus­brief­samm­lung vor allem wg. des The­mas „Geset­ze der Väter“ („Sit­ten der Älte­ren“) die vom tat­säch­li­chen Autor Pau­lus stam­men­den Brie­fe über­ar­bei­tet, durch Brie­fe mit „Pau­lus“ als fik­ti­vem Autor ergänzt – und nicht zuletzt durch eine anders­ar­ti­ge Dar­stel­lung des Pau­lus flan­kiert, vgl. dazu.
Bei der Debat­te sahen wir, dass im NT in der Regel die LXX als AT betrach­tet wird. Denn Pau­lus nimmt auf die Abra­hams­fi­gur Bezug. Das ist abso­lut ent­schei­dend, denn nach Gen 12,3 gilt:

προευηγγελίσατο τῷ Ἀβραὰμ ὅτι
ἐνευλογηθήσονται ἐν σοὶ πάντα τὰ ἔθνη. (Gal 3,8)

Wir mach­ten uns klar, dass „Natio­nen“ hier durch eine Ent­wick­lung im 19. Jhdt. bedingt ist und „Völ­ker“ bzw. „Eth­ni­en“ gewählt wer­den soll­te. Sowohl in der Urge­schich­te als auch bei Amos und Jesa­ja ist Gott mit­hin nicht aus­schließ­lich auf Isra­el kon­zen­triert, son­dern inter­agiert mit ande­ren Völ­kern, welt­weit. Dar­auf nimmt Pau­lus hier Bezug, zumal in der Urge­schich­te klar ist, dass es kei­ne Beschnei­dung gibt – und der Bund mit Noah (Gen 9) auch kei­ne Spei­se­ge­bo­te vor­sieht. Die­sen Punkt ver­tie­fen wir noch. Jeden­falls ist der Bezug auf eine frü­he Stel­le der Hei­li­gen Schrif­ten der Jüdin­nen* typisch für die schrift­ge­lehr­te dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung. Daher gehört der „Segen Abra­hams“ auch den eth­nisch anders ori­en­tier­ten Christ*innen in Klein­asi­en.
Wer das aber durch die Beschnei­dung ergänzt, zieht sich den Fluch zu, alle Gebo­te erfül­len zu müs­sen, wie Pau­lus mit Bezug auf Lev 18,5 for­mu­liert. Und Pau­lus löst mit Bezug auf Dtn 21,3 die­ses Pro­blem pro­blem­ge­schicht­lich. Da Chris­tus am Pfahl starb, wur­de er vom Gesetz ver­flucht – und „für uns“ zum Fluch, sodass wir den Segen Abra­hams emp­fan­gen kön­nen. Die Erlö­ser­fi­gur muss in Pro­blem­ge­schich­ten stets bei­de Ele­men­te des Haupt­ge­gen­sat­zes der Erzäh­lung an sich tra­gen, so wird er vom Gesetz ver­flucht, sodass er „für uns“ zum Fluch wur­de (vgl. 2Kor 5,21). Dar­aus ent­steht die Mög­lich­keit, ohne Beschnei­dung und Gesetz den Segen Abra­hams zu emp­fan­gen.
Wir hat­ten das pro­blem­ge­schicht­li­che Modell schon an der Schlan­ge in Gen 2f ken­nen­ge­lernt.

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

1. Über­set­zen Sie Gal 3,15-29 und glie­dern Sie den Text!
2. Was meint Pau­lus mit den Zah­len­an­ga­ben in 3,17?
3. Was oder wer ist mit dem μεσίτης in 3,20 gemeint – und was ist die Poin­te?
4. Wor­auf läuft die gesam­te Argu­men­ta­ti­on hin­aus?

 

 

20. Juni 2018

Alfred North Whitehead (1861-1947) Bad Rap­penau

 

Dis­kus­si­ons­be­darf vom letz­ten Diens­tag

 

Um das Extra­va­ganz­mo­dell von Peirce zu ver­an­schau­li­chen, habe ich auf fol­gen­den Sach­ver­halt hin­ge­wie­sen:

Es gibt in der Bibel weder eine grie­chi­sche, hebräi­sche oder ara­mäi­sche Voka­bel für z. B. „Auf­er­ste­hung“ o. Ä. קוֻם (kum), ἀνίσταναι (anhi­sta­nai) und ἐγείρεσθαι (ege­i­rest­hai) bezeich­nen sowohl den all­täg­li­chen Vor­gang des Auf­ste­hens bzw. Auf­ge­weckt­wer­dens als auch den­je­ni­gen, wel­cher dem Tod folgt. Die glei­che Ambi­gui­tät liegt beim „Schla­fen“ (κοιμᾶν [koi­man]) vor, vgl. z. B. Dan 12,2f. Zur­zeit respek­tie­ren offen­bar nur eini­ge weni­ge der Übersetzer/innen der „Bibel in gerech­ter Spra­che“ die­sen bibli­schen Sach­ver­halt.

Neue Natur­phi­lo­so­phie bei Whitehead

Den umfas­sen­den Anspruch Whiteheads zeigt die­se Äuße­rung:

[…] es muss eines der Moti­ve einer voll­stän­di­gen Kos­mo­lo­gie sein, ein Sche­ma von Ide­en zu ent­wer­fen, in dem die ästhe­ti­schen, mora­li­schen und reli­giö­sen Inter­es­sen mit jenen Begrif­fen von der Welt in Ver­bin­dung gebracht wer­den, die ihren Ursprung in der Natur­wis­sen­schaft haben. (Pro­zess und Rea­li­tät, 22)

Es geht nach die­ser Äuße­rung daher dar­um, den Natur­be­griff bzw. das Natur­ver­ständ­nis so zu erwei­tern, um Ele­men­te des „Geis­tes“ bzw. der Kul­tur ein­be­zie­hen zu kön­nen. Damit folgt auch Whitehead dem Ame­ri­ka­ni­schen Tran­szen­den­ta­lis­ten Emer­son, der in sei­nem Essay „Natu­re“ die­ses Pro­gramm – roman­tisch inspi­riert – poe­tisch ange­deu­tet hat­te.
Ich ver­su­che, Whitehead vor allem vor die­sem prag­ma­tis­ti­schen Hin­ter­grund zu erläu­tern. Es gibt Ver­su­che, das Modell im Kon­text der Sys­tem­theo­ri­en zu beschrei­ben, was mir wie Ham­pe, Whitehead, nicht recht ein­leuch­tet. (more…)