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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


18. Mai 2018

Darm­stadt Berg­pre­digt, 15.05.

 

Nach der Dar­stel­lung von Frau Schä­fer nah­men wir 5,27-42 zur Kennt­nis. Dabei sind eini­ge Tex­te ent­hal­ten, in denen Jesus einem Text aus Gesetz und Pro­phe­ten wider­spricht, sodass wir rich­tig damit lie­gen, dass Jesus die­se hei­li­gen Tex­te der J*uden nicht auf­hebt, son­dern fort­schreibt bzw. voll­endet. Das ist nicht über­all gleich, son­dern muss je ein­zeln unter­sucht wer­den. Daher ist die Über­set­zung von Lui­se Schott­roff, Bibel in gerech­ter Spra­che,  ange­mes­sen: „Zu den Alten o. Ä. … Ich lege Euch das heu­te so aus: …“ Beim letz­ten Mal hat­ten wir das Tötungs­ver­bot, das nicht ver­neint, aber auf sei­nen emo­tio­na­len Grund befragt wird, Zorn als star­ke Emo­ti­on wird daher als pro­ble­ma­tisch betrach­tet.
Beim Ehe­bruch wird erneut ein Ver­bot des Deka­logs neu inter­pre­tiert. Wer die Frau eines ande­ren Man­nes begehr­lich ansieht, habe schon Ehe­bruch began­gen. Hier ist also das star­ke emo­tio­na­le Begeh­ren der Grund das Ver­bot zu über­tre­ten. Die selbst­ver­stüm­meln­den Tex­te sind Über­trei­bun­gen, um das Begeh­ren stark zu beto­nen.
Der drit­te Text the­ma­ti­siert den Schei­de­brief aus dem Deu­te­ro­no­mi­um, den Jesus im Mtev nur für den Fall der Untreue für ange­mes­sen hält, sonst aber nicht. Vgl. http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/2017/01/27/efg-griesheim-mk-101-12/. Das führ­te noch zu wei­te­ren Debat­ten, wobei es wich­tig erscheint, die Ehe nicht als Sakra­ment zu betrach­ten. Die Pro­ble­me sol­len durch Aus­tausch der Partner*innen gelöst wer­den.
Beim Schwö­ren wider­spricht Jesus dem hei­li­gen Text – und lehnt das Schwö­ren ab, weil man dies tue, indem man/frau sich bei etwas ver­si­che­re, das nicht in der eige­nen Macht sei.
Eben­so wider­spricht Jesus der Regel, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Dies wer­de nur dann kon­flikt­min­dernd, wenn man/frau sym­bo­lisch auf Unrecht auf­merk­sam mache, was den Unrecht Tuen­den mög­li­cher­wei­se zur Umkehr brin­ge, eine Form des gewalt­lo­sen Wider­stands.
Wir sind dabei, die inhalt­li­che, seman­ti­sche Gestalt von Tex­ten zu erfas­sen. Die­se Gestalt ist häu­fig von Gegen­sät­zen bestimmt, aber unter­schied­lich. Das ver­tie­fen wir.

 

17. Mai 2018

1Kor 11,3ff Uni Hd, 14.05.

 

Ent­schei­dend war die Ein­sicht, dass Pau­lus nicht ein­fach das Gesag­te vor­schreibt, son­dern an die Urteils­kraft der Korinther*innen appel­liert, die sie als Gemein­de­glie­der hät­ten (11,13ff). Pau­lus ver­steht hier ἐκκλησία (Gemein­de, Kir­che) als Rats­ver­samm­lung, was wohl schon in der LXX so ist. Damit knüpft er an Gen 3,1ff an, wo Eva und Adam mit­hil­fe der Schlan­ge die sitt­li­che Urteils­kraft erwer­ben.

Der Vor­schlag fand Zustim­mung, die letz­te Sit­zung statt­fin­den zu las­sen. Die wei­te­ren Gene­sis­tex­te, die den schrift­ge­lehr­ten Hin­ter­grund der pau­li­ni­schen Argu­men­ta­ti­on in Gal und Röm bil­den könn­ten, wer­den par­al­lel zur Behand­lung der Pau­lus­tex­te zur Kennt­nis genom­men. alltagundphilosophie.com/1Hen6_bis_11.pdf (Link zu einer Über­set­zung.)

1. Die mut­maß­li­che Pro­ble­ma­tik

Die Aus­le­gung des Tex­tes ist kon­tro­vers, zumal er in sich gespannt erscheint. Vgl. http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/2016/05/28/einfuehrung-in-die-hermenutik-des-neuen-testaments-%c2%a7-5-magdalene-l-frettloeh/ zu bestimm­ten femi­nis­ti­schen Fra­gen. Wir erör­ter­ten zunächst, ob es um die Haar­tracht der Frau­en oder eine zusätz­li­che Kopf­be­de­ckung geht. Die Wen­dung ἡ κόμη ἀντὶ περιβολαίου δέδοται [αὐτῇ] in 11,15 spricht für Ers­te­res. Nur κατὰ κεφαλῆς ἔχων im Blick auf Män­ner (11,4) könn­te eine zusätz­li­che Kopf­be­de­ckung im Blick haben, ist aber auch als lan­ges Haar inter­pre­tier­bar. Die Über­set­zung von Lui­se Schott­roff in der „Bibel in gerech­ter Spra­che“ fin­det mei­ne Zustim­mung. Sehr wahr­schein­lich wird es, dass es um Pro­ble­me der Haar­tracht geht, wenn man/frau die For­men von ξυράω bzw. κείρω in 11,6f ein­be­zieht. Selbst „die Gescho­re­ne“ als Bezeich­nung einer Hetä­re kommt vor. (more…)

13. Mai 2018

Berg­pre­digt: Darm­stadt 08.05.

Pro­to­kol­lan­tin: Julia Schä­fer

 

Semi­narin­hal­te:

In die­ser Semi­nar­sit­zung ging es im ers­ten Teil der Sit­zung um die Ver­se 5,17 – 5,20 (Jesu Stel­lung zum Gesetz und den Pro­phe­ten) und im zwei­ten Teil der Sit­zung gin­gen wir wei­ter zu Vers 5,21-5,26 (Vom Töten). (more…)

12. Mai 2018

Bibel­kun­de Darm­stadt, 08.05.

Pro­to­kol­lant: Jonas Schrö­der

The­ma die­ser Semi­nar­sit­zung waren das deu­te­ro­no­mis­ti­sche und das chro­nis­ti­sche Geschichts­werk. Bei­de Geschichts­wer­ke wer­den in jeweils einem Kapi­tel des Buches „Bibel­kun­de“ von Lukas Bor­mann bear­bei­tet und soll­ten bis zur Ver­an­stal­tung gele­sen wer­den.
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1. Mai 2018

Mythen in Gen 1-3: Uni Hei­del­berg, 30.04.

Die Datie­rung der Tex­te setzt wohl das baby­lo­ni­sche Exil vor­aus, auch 2,4bff mag zwar eine län­ge­re Vor­ge­schich­te in Meso­po­ta­mi­en haben, als Weis­heits­text wür­de ich ihn in das vier­te Jhdt. v. d. Z. set­zen. 1,26ff lässt sich gut als Ant­wort auf Xeno­pha­nes ver­ste­hen, also auch 5. oder 4. Jhdt v. d. Z.
Zu den Mythos­fra­gen recht instruk­tiv Micha­el Blu­mes Antritts­re­de in Hei­del­berg vom 25.04., als Video leicht erreich­bar über sei­nen Twit­ter­ac­count @BlumeEvolution. (more…)

29. April 2018

Ver­an­stal­tung in Hei­del­berg: Berg­pre­digt

 

Semi­nar: Ein­füh­rung in die exege­ti­schen Metho­den und das wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten: Die Berg­pre­digt (Mt 5-7)
Pro­to­koll der Sit­zung vom 24.04.2018
Dozent: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner
Pro­to­kol­lan­tin: Julia Pei­ne­mann

Orga­ni­sa­to­ri­sches:
Zu Beginn des Semi­nars fragt Herr Pött­ner nach, ob es noch Rück­fra­gen oder Anmer­kun­gen zur letz­ten Semi­nar­stun­de und der letz­ten Zusam­men­fas­sung gibt. Da es kei­ne Fra­gen oder Anmer­kun­gen gibt, wird die Anwe­sen­heits­lis­te her­um­ge­ge­ben und die neue Semi­nar­stun­de beginnt.

Semi­narin­hal­te:
Als Grund­la­ge des heu­ti­gen Semi­nars dient Mat­thä­us 5, 2-16.
In die­ser Stun­de des Semi­nars wer­den wir zuerst ein­mal der Fra­ge nach­ge­hen, wie die ein­zel­nen Selig­prei­sun­gen intern geglie­dert sind, bzw. aus was die Selig­prei­sun­gen bestehen. Dies wird anhand Mat­thä­us 5, 3-12 bespro­chen.
Nach der Fra­ge wor­aus eine Selig­prei­sung besteht, wird auf die Ver­se 13-16 mit der Über­schrift Salz und Licht ein­ge­gan­gen. (more…)

27. April 2018

Ver­an­stal­tung in Darm­stadt am 24.04.: Bibel­kun­de

Bibel­kun­de

Das zwei­te Kapi­tel der Bibel­kun­de von Bor­mann war The­ma, der Pen­ta­teuch bzw. die fünf Bücher Mose. Dane­ben gibt es in den Hei­li­gen Schrif­ten der J*uden die Pro­phe­ten – und die Weis­heits- bzw. poe­ti­sche Lite­ra­tur. Vgl. Abb. 1 in der Zusam­men­fas­sung zum 17.04. (more…)

26. April 2018

Ver­an­stal­tung in Hei­del­berg am 23.04.

 

 

Die Schöp­fungs- und Para­die­s­er­zäh­lung (Gen 1,1-3,24)

Bei­de Erzäh­lun­gen gehö­ren zur Urge­schich­te, die eine Ein­lei­tung zur Bibel dar­stellt. M. E. bezie­hen sich alle Tex­te zum Geschlech­ter­ver­hält­nis in der Bibel auf sie bzw. sind mit ihnen ver­bun­den. Für Pau­lus ist zudem wesent­lich, dass Eva und Adam hier mit­hil­fe der Schlan­ge die sitt­li­che Urteils­kraft erlan­gen – und in die­sem Sinn wer­den wie Gott (vgl. Gen 3,22). Wei­ter wird am Anfang der Bibel deut­lich, dass die­ses Buch nicht mit Ein­heit­lich­keits-Fan­ta­si­en gefüllt sein könn­te.
In Gen 1,1ff geht es nicht um die Erzäh­lung einer crea­tio ex nihi­lo. Statt­des­sen ist vom תֹ֨הוּ֙ וָבֹ֔הוּ [tohu wa bohu] die Rede, mit­hin ein Cha­os­zu­stand. Im Semi­nar wur­de betont, dass in Gen 1 dar­auf eine Ord­nung auf­baut. Das geschieht in sie­ben Tages­schrit­ten. Dabei ent­steht die mensch­li­che Lebens­welt, zu der Gewäs­ser, Pflan­zen, Tie­re, Gestir­ne und Zei­ten gehö­ren. Die viel­leicht wich­tigs­te Zeit­ord­nung ist die Unter­schei­dung von sechs­tä­gi­ger Arbeits­zeit und ein­tä­gi­ger Ruhe­zeit im Wochen­rhyth­mus. (more…)

22. April 2018

Act 17

16Während Pau­lus in Athen auf [Silas und Timo­theus] war­te­te, geriet er inner­lich in Zorn, als er sah, dass die Stadt voll von Göt­zen­bil­dern war. 17In der Syn­ago­ge rede­te er mit den Mit­glie­dern der jüdi­schen Gemein­de und denen, die Isra­els Gott ver­ehr­ten, und auf dem Markt täg­lich zu denen, die gera­de vor­bei­ka­men. 18Dabei gerie­ten auch eini­ge der phi­lo­so­phisch Gebil­de­ten mit ihm anein­an­der, die der epi­kurei­schen und stoi­schen Rich­tung anhin­gen. Die einen sag­ten: »Was wird denn die­ser Schwät­zer schon sagen wol­len?« Die ande­ren: »Ein Ver­kün­di­ger frem­der Gott­hei­ten scheint er zu sein«, weil er Jesus und „Auf­ste­hen“ ver­kün­de­te. 19Da nah­men sie ihn mit, führ­ten ihn auf den Areo­pag und sag­ten: »Kön­nen wir erfah­ren, was das für eine neue Leh­re ist, von der du redest? 20Es befrem­det uns näm­lich, was du uns zu Gehör bringst. Wir wol­len nun erfah­ren, was das sein soll.« 21Alle in Athen, Ein­hei­mi­sche und Frem­de, möch­ten es seit jeher auf kei­nen Fall ver­pas­sen, irgend­ei­ne Neu­ig­keit zu erzäh­len oder zu hören. 22Paulus stand nun mit­ten auf dem Areo­pag und sag­te: »Ihr Leu­te von Athen, ich sehe, wie reli­gi­ös ihr in jeder Hin­sicht seid. 23Denn als ich hier umher­ging und mir eure Hei­lig­tü­mer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Inschrift: ›Der unbe­kann­ten Gott­heit‹. Was ihr nun, ohne es zu ken­nen, ver­ehrt, das ver­kün­di­ge ich euch. 24Gott hat die Welt und alles in ihr gemacht, herrscht über Him­mel und Erde; Gott wohnt nicht in von Hän­den gemach­ten Tem­peln, 25lässt sich auch nicht von Men­schen­hän­den ver­sor­gen, hat nichts nötig, gibt doch selbst allen Leben, Atem und alles. 26Gott mach­te aus einem ein­zi­gen Men­schen das gesam­te Men­schen­ge­schlecht, damit sie sich über­all auf der Erde auf­hal­ten, bestimm­te für ihren Auf­ent­halt fest­ge­setz­te Zei­ten und bestimm­te, fes­te Gren­zen. 27So soll­ten sie suchen, ob sie wohl Gott ertas­te­ten und fän­den; ist Gott doch nicht fern von jeder und jedem von uns. 28Denn in Gott leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir. Wie es auch wel­che sagen, die bei euch gedich­tet haben: ›Wir sind ja gött­li­cher Her­kunft.‹ 29Weil wir nun gött­li­cher Her­kunft sind, dür­fen wir nicht mei­nen, das Gött­li­che glei­che Gold oder Sil­ber oder Stein, einem Gebil­de mensch­li­cher Kunst­fer­tig­keit und Ein­bil­dungs­kraft. 30Über die Zei­ten der Unwis­sen­heit nun hat Gott zwar hin­weg­ge­se­hen, for­dert aber jetzt die Men­schen über­all auf, dass sie alle umkeh­ren. 31Denn Gott hat einen Tag fest­ge­setzt, um an ihm die Mensch­heit gerecht zu rich­ten durch einen Mann, der dafür bestimmt und gegen­über allen aus­ge­wie­sen ist, weil Gott ihn von den Toten „auf­ste­hen“ ließ.« 32Als sie vom „Auf­ste­hen“ der Toten hör­ten, spot­te­ten die einen und die ande­ren sag­ten: »Dar­über wol­len wir dich ein ander­mal hören.« 33So ging Pau­lus von ihnen weg. 34Einige aber schlos­sen sich an und kamen zum Glau­ben, dar­un­ter auch Dio­ny­si­us, ein Mit­glied des Gerichts auf dem Areo­pag, sowie eine Frau namens Dama­ris und wei­te­re mit ihnen.

Lie­be Gemein­de,

der Pre­digt­text führt uns heu­te in eine bedeu­ten­de Stadt Euro­pas, die neben Jeru­sa­lem die wich­tigs­te Stadt für die Ent­wick­lung des Chris­ten­tums ist. Athen ist die Stadt der grie­chi­schen Phi­lo­so­phen, wo auch Sokra­tes auf dem Areo­pag Streit­ge­sprä­che führ­te. Und Pau­lus trifft Epi­ku­re­er und Stoi­ker. Die einen sind reli­gi­ons­skep­tisch, die ande­ren ver­tre­ten eine phi­lo­so­phi­sche Got­tes­kon­zep­ti­on, die alles umfasst. Es geht also strit­tig zu auf dem Areo­pag. Dazu ist dort die tra­di­tio­nel­le grie­chi­sche Reli­gi­on gegen­wär­tig, Tem­pel und Altä­re sind über­all in der Stadt vor­han­den. Als Jude, der das Bil­der­ver­bot in Ex 20 beach­tet, stö­ren Pau­lus die Bil­der bzw. Sta­tu­en von Göt­tern und Göt­tin­nen. Er wird zor­nig, mäßigt sich aber bald. Wie er dann in sei­ner Rede auf dem Areo­pag sagt, sei­en die Grie­chen ein reli­giö­ses Volk. Sie sei­en auch nicht fest­ge­legt, son­dern hät­ten neben den ver­ehr­ten Gött*innen auch einen Altar für den unbe­kann­ten Gott gebaut:

»Ihr Leu­te von Athen, ich sehe, wie reli­gi­ös ihr in jeder Hin­sicht seid. 23Denn als ich hier umher­ging und mir eure Hei­lig­tü­mer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Inschrift: ›Der unbe­kann­ten Gott­heit‹.

Pau­lus ver­sucht das zu nut­zen. Da sie so offen sei­en, nicht nur auf die bekann­ten Gött*innen zu set­zen, son­dern stets neu­gie­rig sei­en, ver­kün­di­ge er ihnen nun den unbe­kann­ten Gott. Bei die­sem han­de­le es sich um den Schöp­fer der Welt, der nicht in Tem­peln woh­ne. Nach ihm such­ten die Men­schen, die Jud*en, aber auch die Griech*en:

27So soll­ten sie suchen, ob sie wohl Gott ertas­te­ten und fän­den; ist Gott doch nicht fern von jeder und jedem von uns. 28Denn in Gott leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir.

Gott ist uns nahe, wir sind die Bil­der Got­tes, wir leben in Gott. Daher ist es nicht nötig, Tem­pel zu bau­en, Gött*innen zu bas­teln, in denen wir uns nur selbst ver­ge­gen­ständ­li­chen. Wir beten uns sozu­sa­gen selbst an. Jetzt wer­de die­ser Gott, den die Griech*en als unbe­kann­te Gott­heit ver­ehrt hät­ten, offen­bart und ihnen ver­kün­digt, er wer­de ihnen bekannt – und ihre Zeit der Unwis­sen­heit sei vor­bei. Das hän­ge mit den Gescheh­nis­sen um Jesus von Naza­reth zusam­men, der von Gott „auf­ge­weckt“ wor­den sei und als Wel­ten­rich­ter tätig wer­de.

Das hat Spott zur Fol­ge. Spä­ter kön­ne man dar­über spre­chen. Immer­hin konn­te Pau­lus eini­ge über­zeu­gen.

Die Situa­ti­on in Athen ist viel­leicht auch unse­re Situa­ti­on. Es gibt vie­le reli­giö­se Inter­pre­ta­tio­nen. Ich z. B. fin­de den bap­tis­ti­schen Ent­wurf von Mar­tin Luther King äußerst anspre­chend. Und natür­lich gibt es nicht­re­li­giö­se Inter­pre­ta­tio­nen. Pau­lus inter­pre­tiert das als Suche nach dem einen Gott, in dem wir alle leben und uns bewe­gen, der uns geschaf­fen hat, des­sen Bil­der wir sind – und wir sind mit Gott ver­wandt. Dass wir uns mit­hin strei­ten, soll­te uns nicht über­heb­lich gegen­über ande­ren Men­schen machen. Sie sind auf der Suche. Und alle suchen nach dem Gott, in dem wir leben und uns bewe­gen. Pau­lus bekommt sei­nen Zorn über die grie­chi­schen Götter*bilder in den Griff – und redet wei­se, ohne zu schimp­fen oder zu het­zen. Und damals lie­ßen sich eini­ge über­zeu­gen. Das ist ein hoff­nungs­vol­les Zei­chen dafür, dass das ruhi­ge Gespräch der Suche nach Gott ange­mes­sen ist – und nicht leer bleibt. Und so wird es immer sein.
Amen

20. April 2018

Ver­an­stal­tun­gen in Darm­stadt 17.04.

 

Bibel­kun­de: Hin­füh­rung, Kon­tex­tua­li­sie­rung und die ver­schie­de­nen Kano­nes

In Fort­füh­rung vom 12.04. bespra­chen wir ver­schie­de­ne deut­sche Bibel­über­set­zun­gen.
Wich­tig ist der zwei­te Punkt. Die Bibel­lek­tü­re soll­te heu­te nicht mehr ohne Bezug zum Koran voll­zo­gen wer­den. Denn der Koran ist jeden­falls auch eine Fort­schrei­bung vor allem der jüdi­schen Bibel. Die Ähn­lich­kei­ten und Unähn­lich­kei­ten beschreibt der Koran so, es habe eine himm­li­sche Mut­ter der Schrift gege­ben, Sure 43,4, die an alle Pro­phe­ten ver­sandt wor­den sei, bei Moham­med sei das am bes­ten ange­kom­men. In jün­ge­rer Zeit hat sich in Ber­lin vor allem Ange­li­ka Neu­wirth her­vor­ge­tan, bei der sich eine neue Text­ge­stalt erschließt, die mit dem von mir behaup­te­ten Fort­schrei­bungs­pro­zess ver­wandt ist. Das stimmt i. E. mit der neu­en his­to­risch-kri­ti­schen Aus­ga­be in Tune­si­en über­ein. Wir wer­den das an ein­zel­nen Tex­ten ver­fol­gen. (more…)