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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen ...


Probleme der PISA-Studien

Bei den PISA-Stu­di­en unter­su­chen wir zunächst das grund­le­gen­de Pro­blem, auf das sie aus­ge­rich­tet sind, fra­gen sodann nach dem zugrun­de lie­gen­den Bil­dungs­kon­zept in dem hier bis­her erar­bei­te­ten Rah­men. Wei­ter muss bestimmt wer­den, ob es sich bei PISA um eine Art All­ge­mein­bil­dungs­kon­zept han­deln könn­te. Dabei gehe ich auf die Fra­ge des Unter­schieds von quan­ti­ta­ti­ven und qua­li­ta­ti­ven Bil­dungs­for­schungs­an­sät­zen ein, denn PISA ist einer der bedeu­tends­ten quan­ti­ta­ti­ven Bil­dungs­for­schungs­an­sät­ze

Das Problem

Die PISA-Stu­di­en wer­den von der OECD OECD-Logodurch Zusam­men­ar­beit von 32 bis 56 Staa­ten erstellt. Sie sind sozu­sa­gen in aller Mun­de, weil sie seit 2000 alle drei Jah­re Ten­den­zen der Leis­tun­gen 15-jäh­ri­ger Schüler/innen in den Berei­chen Lese­kom­pe­tenz, Mathe­ma­tik und Natur­wis­sen­schaf­ten erfra­gen, mes­sen und doku­men­tie­ren:

PISA unter­sucht inwie­weit Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu einem Zeit­punkt, an dem in vie­len Län­dern die Pflicht­schul­zeit endet, Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten erwor­ben haben, die eine vol­le Teil­ha­be an der Wis­sens­ge­sell­schaft ermög­li­chen. Bei der Unter­su­chung steht nicht das Wis­sen um Lehr­pla­nin­hal­te im Vor­der­grund, son­dern die Fähig­keit, das Wis­sen in der Pra­xis anzu­wen­den. PISA zeigt, wie sich das Leis­tungs­ni­veau von Jugend­li­chen in den Kern­be­rei­chen Lesen, Mathe­ma­tik und Natur­wis­sen­schaf­ten von dem in ande­ren Län­dern unter­schei­det. Außer­dem lie­fert die Stu­die Erkennt­nis­se, inwie­weit sozia­le Her­kunft, Geschlecht oder Migra­ti­ons­hin­ter­grund das Leis­tungs­ni­veau beein­flus­sen und gibt damit wich­ti­ge Ori­en­tie­rungs­punk­te zur Ver­wirk­li­chung von Chan­cen­ge­rech­tig­keit im Bil­dungs­sys­tem.”

So lau­tet die offi­zi­el­le Selbst­be­schrei­bung auf der deutsch­spra­chi­gen Ver­si­on der ent­spre­chen­den Home­page. Dort kön­nen auch die bis­her erschie­nen Stu­di­en 2000, 2003 und 2006 ein­ge­se­hen bzw. gela­den wer­den, als PDF auch hier bei einem ent­spre­chen­den Insti­tut der Uni­ver­si­tät Kiel. Dort sind auch kri­ti­sche Bespre­chun­gen lad­bar. Die Abkür­zung PISA steht nicht für einen bekann­ten Turm, son­dern für

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Es geht um die Ein­schät­zung der Schü­ler­leis­tun­gen, aber auch des jewei­li­gen natio­na­len Bil­dungs­sys­tems vor dem Hin­ter­grund der soge­nann­ten “Wis­sens­ge­sell­schaft”, das ja die­se Leis­tun­gen her­vor­bringt. Dabei wird unter­stellt, das bestimm­te Kri­te­ri­en wie “sozia­le Her­kunft, Geschlecht oder Migra­ti­ons­hin­ter­grund das Leis­tungs­ni­vau beein­flus­sen” kön­nen. Lässt sich hier ein Zusam­men­hang her­stel­len, dann kann den ent­spre­chen­den Län­dern emp­foh­len wer­den, hilf­rei­che Akti­vi­tä­ten zu ent­fal­ten. Die jüngst öffent­lich erör­ter­ten Ergeb­nis­se aus der PISA-Stu­die 2006, in denen im Ver­gleich der Bun­des­län­der Sach­sen vor­ne lag, wur­de von inter­es­sier­ter Sei­te schnell dadurch zu rela­ti­vie­ren ver­sucht, dass Sach­sen eben einen gerin­gen Schüler/innen/anteil mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund besit­ze — ein Argu­ment, das frü­her schon gegen das beson­ders gute Abschnei­den Finn­lands vor­ge­bracht wur­de. Aus der Sicht der PISA-Stu­di­en­be­trei­ber ist ein sol­cher Umgang mit den Ergeb­nis­sen nicht gerecht­fer­tigt. Denn sofern ein sol­cher Zusam­men­hang bestehen soll­te, ist das jewei­li­ge Bil­dungs­sys­tem dazu auf­ge­ru­fen, ent­spre­chen­de Maß­nah­men zu ergrei­fen, um für der­ar­ti­ge Schüler/innen eben­so gute Ergeb­nis­se zu errei­chen wie für Schüler/innen ohne Migra­ti­ons­hin­ter­grund, was aus den Men­schen­rech­ten folgt, die in der Idee der “Chan­cen­ge­rech­tig­keit” in bestimm­ter Wei­se auf­ge­nom­men wer­den.
Die OECD ist prin­zi­pi­ell als Orga­ni­sa­ti­on dafür zustän­dig, die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung zu begüns­ti­gen. Unter­stellt wird, dass ein bestimm­tes Bil­dungs- bzw. Wis­sens­ni­veau dazu bei­tra­gen kann, die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung zu ver­bes­sern. Daher ist sie vor allem in ihren PISA-Stu­di­en damit befasst, zu unter­su­chen, inwie­fern in den ein­zel­nen Län­dern bestimm­te Stan­dards erreicht wer­den, die ein mehr oder weni­ger erfolg­rei­ches Fort­kom­men in der “Wis­sens­ge­sell­schaft” ermög­li­chen. Mit die­sem — gesell­schafts­theo­re­tisch sehr frag­wür­di­gen — Begriff soll aus­ge­drückt wer­den, dass im Wirt­schafts­sys­tem, aber auch im öffent­li­chen Sek­tor vie­le For­men der Wert­schöp­fung bestimm­te Wis­sens­leis­tun­gen von den Men­schen erfor­dern. Die­se sind stets in einem prak­ti­schen Kon­text zu erbrin­gen, mit­hin ist die PISA-Stu­die in ihren Test­auf­ga­ben anwen­dungs­ori­en­tiert. In der Fol­ge eine mathe­ma­ti­sche Auf­ga­be aus der PISA-Stu­die 2006:

„War­um arbei­ten Stu­den­ten?
Auf­ga­ben­stel­lung

(a) Das neben­ste­hen­de Dia­gramm zeigt Unter­su­chungs­er­geb­nis­se zur Fra­ge „War­um arbei­ten Stu­den­ten?” Ange­nom­men es wur­den 2000 Stu­den­ten befragt. Wie vie­le Stu­den­ten haben die Aus­sa­ge „zwin­gend not­wen­dig für den Lebens­un­ter­halt” ange­ge­ben?

(b) Edel­traud sagt: ‚Den Stu­den­ten scheint es doch gar nicht so schlecht zu gehen, denn nur unge­fähr ein Drit­tel muss “zwin­gend not­wen­dig für den Lebens­un­ter­halt“ arbei­ten.‘
Moni­ka ent­geg­net: ‚Das stimmt doch gar nicht!‘
Wie kom­men Edel­traud und Moni­ka jeweils zu ihren Mei­nun­gen? Geben Sie eine gra­phi­sche Dar­stel­lung der Befra­gungs­er­geb­nis­se an, die die Mei­nungs­ver­schie­den­heit ver­mei­det.

© Erläu­tern Sie, wie der Autor bei der Erstel­lung des Dia­gramms vor­ge­gan­gen ist.
Des­halb arbei­ten Stu­den­ten
Mehr­fach­nen­nun­gen mög­lich

Dia­gramm nach Zeit-Gra­fi­k/Quel­le: Sozi­al­er­he­bung des Deut­schen Stu­den­ten­werks 1998 (Ori­gi­nal in: Die Zeit vom 15.7.1999)

Beschrei­bung der Auf­ga­be und ihrer Ziel­set­zung
Die Auf­ga­be ist eine kom­ple­xe, rea­li­täts­na­he Auf­ga­be aus dem Bereich der beschrei­ben­den Sta­tis­tik. Bei der Bear­bei­tung der Auf­ga­be wei­sen die Schü­le­rin­nen und Schü­ler nach, inwie­weit sie ins­be­son­de­re die all­ge­mei­nen mathe­ma­ti­schen Kom­pe­ten­zen

  1. mathe­ma­tisch argu­men­tie­ren (K 1)
  2. mathe­ma­ti­sche Dar­stel­lun­gen ver­wen­den (K 4)
  3. im Rah­men der Leit­idee Daten und Zufall (L 5) erwor­ben haben.

    Lösungs­skiz­ze mit der Anga­be von Leit­ide­en und all­ge­mei­nen mathe­ma­ti­schen Kom­pe­ten­zen sowie deren Zuord­nung zu Anfor­de­rungs­be­rei­chen:
    Lösun­gen und Hin­wei­se

     

    Lösun­gen und Hin­wei­se

    Leit­idee

    Anfor­de­rungs­be­reich
    I        II        III

    (a)

    Dem Kreis­dia­gramm ist zu ent­neh­men, dass 56% der befrag­ten Stu­den­ten ihre eige­ne Berufs­tä­tig­keit „zwin­gend not­wen­dig für den Lebens­un­ter­halt” hal­ten. Bei ange­nom­me­nen 2000 Befrag­ten ergibt sich, dass 1120 Stu­den­ten die Aus­sa­ge „zwin­gend …” ange­kreuzt haben.

    L 5

    K 4

    (b)

    Edel­traud berück­sich­tigt bei ihrer Aus­sa­ge nur den Flä­chen­an­teil im Kreis­dia­gramm ent­spre­chend. Moni­ka begrün­det ihre Aus­sa­ge mit der nume­ri­schen Anga­be.

    L 5

    K 1

    Als mög­li­che geeig­ne­te gra­phi­sche Dar­stel­lung wird ein Säu­len­dia­gramm ange­ge­ben.

    L 5

    K 4

    ©

    Er sum­miert die Pro­zent­sät­ze und erhält 149% (unter Berück­sich­ti­gung der Mehr­fach­nen­nun­gen). Die­se Zahl ent­spricht der gesam­ten Kreis­flä­che, also 360°. Er ord­net dann zum Bei­spiel dem Pro­zent­satz 56% den Mit­tel­punkts­win­kel 56/149 * 360° zu. Ana­log ver­fährt er mit den ande­ren Pro­zent­sät­zen.

    L 5

    K 1

Die Auf­ga­be for­dert bestimm­te durch­aus refle­xi­ve prak­ti­sche Kom­pe­ten­zen, die Schüler/innen müs­sen bei der Berar­bei­tung ver­ste­hen:

  1. Wie die bei­den Mäd­chen zu ihren Urtei­len gekom­men sind;
  2. wie das Dia­gramm selbst zustan­de­ge­kom­men ist.

Da sich dies im Bereich „Daten und Zufall“ bewegt, sind ele­men­ta­re wahr­schein­lich­keits­ma­the­ma­ti­sche Kennt­nis­se erfor­der­lich. Prak­tisch wird ange­strebt, bestimm­te Infor­ma­tio­nen im All­tag kri­tisch beur­tei­len zu kön­nen.
Ins­ge­samt befä­higt die mathe­ma­ti­sche Kom­pe­tenz dazu

„die Rol­le zu erken­nen und zu ver­ste­hen, die die Mathe­ma­tik in der Welt spielt, fun­dier­te mathe­ma­ti­sche Urtei­le abzu­ge­ben und sich auf eine Wei­se mit der Mathe­ma­tik zu befas­sen, die den Anfor­de­run­gen des gegen­wär­ti­gen und künf­ti­gen Lebens einer Per­son als kon­struk­ti­vem, enga­gier­tem und reflek­tie­ren­dem Bür­ger ent­spricht.“
(Deut­sches PISA-Kon­sor­ti­um (2001): PISA 2000, S. 23)

Das glei­che Ziel wird bei den Auf­ga­ben zur Lese­kom­pe­tenz ver­folgt (vgl. hier). Die Schüler/innen müs­sen den Aus­sa­gesinn eines Tex­tes dem Inhalt und der Form nach in der zuge­ord­ne­ten sozia­len Situa­ti­on erfas­sen. Ver­langt wird auch die Fähig­keit den Text zusam­men­zu­fas­sen und ein­zel­ne Tei­le ele­men­tar logisch ana­ly­sie­ren zu kön­nen.
Ziel ist

„geschrie­be­ne Tex­te zu ver­ste­hen, zu nut­zen und über sie zu reflek­tie­ren, um eige­ne Zie­le zu errei­chen, das eige­ne Wis­sen und Poten­zi­al wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und am gesell­schaft­li­chen Leben teil­zu­neh­men.”
(Deut­sches PISA-Kon­sor­ti­um (2001): PISA 2000, S. 23)

Für die natur­wis­sen­schaft­li­che Kom­pe­tenz gilt Ähn­li­ches:

  1. natur­wis­sen­schaft­li­ches Wis­sen anzu­wen­den, um Fra­ge­stel­lun­gen zu erken­nen, sich neu­es Wis­sen anzu­eig­nen, natur­wis­sen­schaft­li­che Phä­no­me­ne zu beschrei­ben und aus Bele­gen Schluss­fol­ge­run­gen zu zie­hen,
  2. die cha­rak­te­ris­ti­schen Eigen­schaf­ten der Natur­wis­sen­schaf­ten als eine Form mensch­li­chen Wis­sens und For­schens zu ver­ste­hen,
  3. zu erken­nen und sich dar­über bewusst zu sein, wie Natur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik unse­re mate­ri­el­le, intel­lek­tu­el­le und kul­tu­rel­le Umwelt for­men,
  4. sowie die Bereit­schaft,

  5. sich mit natur­wis­sen­schaft­li­chen Ide­en und The­men zu beschäf­ti­gen und sich reflek­tie­rend mit ihnen aus­ein­an­der­zu­set­zen.“
  6. (PISA-Kon­sor­ti­um Deutsch­land (2007): PISA 2006 — Die Ergeb­nis­se der drit­ten inter­na­tio­na­len Ver­gleichs­stu­die, S. 65)

Bildungskonzept

In unse­rer Klas­si­fi­ka­ti­on arbei­ten die PISA-Stu­di­en mit einer Vari­an­te der Phil­an­thro­phi­schen Päd­ago­gik. Es geht letzt­lich um Berufs­bil­dung in der “Wis­sens­ge­sell­schaft”, die durch­aus auch auf „lebens­lan­ges Ler­nen“ ange­sichts der wirt­schaft­li­chen Dyna­mik und Insta­bi­li­tät aus­ge­rich­tet sein muss. Die Schüler/innen sol­len durch den Schul­un­ter­richt befä­higt wer­den, aktiv am Leben in der „Wis­sens­ge­sell­schaft“ teil­zu­neh­men. Dazu ist Refle­xi­ons- und Kri­tik­fä­hig­keit erfor­der­lich, also Vor­aus­set­zun­gen, um nicht nur an wirt­schaft­li­chen Pro­zes­sen, son­dern auch an einer Demo­kra­tie par­ti­zi­pie­ren zu kön­nen.
Die Idee der „Chan­cen­ge­rech­tig­keit“ zeigt den sozi­al­li­be­ra­len Zug des Kon­zepts an. Die ein­zel­nen Staa­ten sind auf­ge­for­dert, unglei­che Chan­cen­ver­tei­lun­gen aus­zu­glei­chen. Das gilt für die Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit genau­so wie für Schich­ten­bil­dun­gen und Migra­ti­ons­pro­ble­me.

Basiskonzepte – keine Allgemeinbildung

Sieht man nach, was erfragt und unter­sucht wird, dann fällt sofort auf, was fehlt. Die Kon­zen­tra­ti­on auf die Berufs­bil­dung in der „Wis­sens­ge­sell­schaft“ unter­stellt, dass vor allem mathe­ma­tisch-natur­wis­sen­schaft­li­che Kom­pe­ten­zen gepflegt wer­den müs­sen. Dazu kommt, dass man Tex­te gut ver­ste­hen kön­nen muss. Von Sport und Kunst ist kei­ne Rede, von wei­te­ren kul­tu­rel­len Gehal­ten wie Welt­an­schau­un­gen und Reli­gio­nen eben­falls nicht. Das Pro­blem der Kri­tik- und Refle­xi­ons­fä­hig­keit ist erkannt, man darf unter­stel­len, dass zumin­dest die Ten­denz in Rich­tung Demo­kra­tie geht.
Daher liegt hier mut­maß­lich die Auf­as­sung vor, die genann­ten kul­tu­rel­len Berei­che im Kern natur­wis­sen­schaft­lich erfas­sen zu kön­nen, eine star­ke Unter­schei­dung zwi­schen Natur und Kul­tur scheint jeden­falls nicht vor­zu­lie­gen. Hier scheint die Lese­kom­pe­tenz zum Erfas­sen aus­zu­rei­chen.
Zugrun­de liegt die­ser Vor­ge­hens­wei­se das angel­säch­si­sche „Liter­acy-Kon­zept“, das eine Lebens­be­wäl­ti­gung in wirt­schaft­lich und demo­kra­tisch akti­ven Gesell­schaf­ten ermög­li­chen soll. Die Chan­cen lie­gen die­ser Ana­ly­se zufol­ge wohl in der Ent­wick­lung natur­wis­sen­schaft­lich-tech­ni­schen Wis­sens.
Von die­ser Ein­sicht aus muss man die Ergeb­nis­se der Stu­di­en bewer­ten und gewich­ten. Zunächst lie­gen hier aus­schließ­lich quan­ti­ta­ti­ve Ergeb­nis­se vor – die Ein­schät­zung der Schüler/innen, was die­se Kom­pe­ten­zen, sofern sie vor­han­den sind, für sie bedeu­ten, wird nicht erfragt. Um dies her­aus­zu­fin­den, wären qua­li­ta­ti­ve Stu­di­en­ele­men­te erfor­der­lich, die tie­fer die je indi­vi­du­el­le Bio­gra­fie her­me­neu­tisch zu erfas­sen suchen müss­ten. Ein gutes Bei­spiel für das Zusam­men­spiel quan­ti­ta­ti­ver und qua­li­ta­ti­ver Stu­di­en­per­spek­ti­ven liegt in den bei­den ers­ten Rechts­ex­tre­mis­mus­stu­di­en der Fried­rich-Ebert-Stif­tung vor. Die ers­te Stu­die ver­fährt quan­ti­ta­tiv, die zwei­te qua­li­ta­tiv. In der zwei­ten Stu­die wer­den die Beweg­grün­de der Teilnehmer/innen an der Stu­die deut­li­cher.
Sodann lie­gen offen­sicht­lich nur Basis­kom­pe­ten­zen vor, die einen gewis­sen Teil­be­reich von nöti­gen Kom­pe­ten­zen abde­cken. Ob also die Schüler/innen in Sach­sen einen All­ge­mein­bil­dungs­grad errei­chen, erfährt man aus der Stu­die nicht. Höchs­tens könn­te man schlie­ßen, dass zur­zeit in Deutsch­land die Chan­ce, All­ge­mein­bil­dung in der Schu­le zu errei­chen, in Sach­sen am höchs­ten ist. Dass gute Ergeb­nis­se in der PISA-Stu­die und All­ge­mein­bil­dungs­grad nicht zwin­gend kor­re­lie­ren, ist etwa an man­chen Stu­die­ren­den aus Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg zu beob­ach­ten, wo bestimm­te Aspek­te an der Uni­ver­si­tät nach­ge­holt wer­den müs­sen. Die Basis­kom­pe­ten­zen, die bei PISA abge­fragt wer­den, sind auf jeden Fall auch für All­ge­mein­bil­dung wich­tig. Aber die dabei unter­stell­te „sitt­li­che Per­sön­lich­keit“ ist kom­ple­xer als dies in den Unter­stel­lun­gen der PISA-Stu­di­en der Fall ist. Bei den deut­schen PISA-For­schern ist das Pro­blem jeden­falls erkannt, ob sich dar­aus in Zukunft etwas ent­wi­ckelt, scheint frag­lich, weil sich All­ge­mein­bil­dung qua­li­ta­tiv nicht mes­sen lässt, son­dern nur mit qua­li­ta­ti­ven Metho­den ein­ge­schätzt wer­den kann.

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Info:
Probleme der PISA-Studien ist Beitrag Nr. 147
Autor:
Martin Pöttner am 28. November 2008 um 17:13
Category:
Bildung,Wie wollen wir leben?
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