31. Mai 2009
Fuchs hat in den letzten Jahren eine Reihe von Beiträgen zur Kritik an der Gehirnforschung bzw. besonders an solchen Vertretern dieser Disziplin veröffentlicht, die wohl nicht zuletzt in den Massenmedien u. a. durch die „Giordano-Bruno-Stiftung”, die ähnlich wie die „Initiative für Neue Soziale Marktwirtschaft” medienbegleitend zu agieren scheint, in einer breiteren Öffentlichkeit prominent sind. Damit soll keine vorschnelle Identifizierung beider Strömungen vorgenommen werden. Es ist aber klar, dass der neoliberale Homo oeconomicus durchaus mit dem Singerschen Menschen verwandt ist, dessen neuronale Verschaltungen ihn festlegen – und der deswegen „nicht anders kann”[1]. Denn beide kennen keine reale Freiheit. Und beide haben Probleme, ein realistisches Verhältnis zum Anderen einzunehmen, beispielsweise die Art. 5, 14 und 15 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland hinreichend und angemessen zu würdigen. (weiterlesen…)

Martin Pöttner •

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30. Mai 2009

StilleMaus, einspruch.org, Die Macht des Volkes
26. Mai 2009
“Das Böse”- gibt es das überhaupt? [1] Handelt es sich nicht um eine Fiktion, die wir wissenschaftlich erledigen können, wenn wir wissen, wie es zu bestimmten Handlungen kommt, die wir gewöhnlich als „böse” bezeichnen? Natürlich beobachtet man in den Massenmedien bei Amokläufen wie zuletzt in Winnenden ein Entsetzen, hier ließ sich keine leichte Erklärung finden, sieht man davon ab, dass der Vater des Täters gegen die Waffengesetze verstoßen hat. In Foren konnte man gelegentlich sehr schnelle psychologische Ferndiagnosen lesen. Mann oder Frau versucht, derartige Ereignisse induktiv unter eine schon bekannte Regel zu bringen, das Entsetzen ist dann jedenfalls einigermaßen ordentlich „wissenschaftlich” zu erfassen.
Thomas Fuchs wendet sich dieser Frage anhand eines u. a. auch massenmedial kommunizierten Falles zu:
„An einem Samstagabend im Januar 2007 klingeln der 17-jährige Felix D. und sein gleichaltriger Freund Torben B. an einer Haustür in Tessin, ihrem kleinen mecklenburgischen Heimatdorf. Der Bewohner öffnet, er kennt die beiden seit langem aus der Nachbarschaft, es sind freundliche und höfliche Jungen aus intakten Familien. Doch da ruft Felix ‚Reno!’, das ist das Codewort zum Losschlagen. Die beiden Jungen ziehen ihre mitgebrachten Messer und halten sie dem Mann an die Kehle mit den Worten: ‚Auf die Knie!’ Er wehrt sich und erfasst ein Messer, doch da lassen die Eindringlinge alle Hemmungen fahren und stechen blindlings auf ihn ein. Während er im Todeskampf zu Boden geht, stürmen die 17-Jährigen die Treppe hoch, treffen auf die Ehefrau des Mannes, die sie mit insgesamt 62 Messerstichen töten. Als sie später noch röchelt, sticht Felix sie noch einmal in den Kopf, um sie endgültig zu töten. Der Sohn des Ehepaares entgeht nur knapp dem Blutrausch, weil es ihm gelingt, in Todesangst in seinem Zimmer eingesperrt die Polizei zu benachrichtigen, die das Paar schließlich stellt und zur Aufgabe zwingt. Weder Alkohol, Drogen oder eine psychische Krankheit noch Feindschaft gegenüber den Opfern erklären die Tat; es hätte ebenso beliebige andere im Dorf treffen können.” (172)
- Nach einer kurzen Skizzierung dieses Geschehens stellt Fuchs zunächst allgemein die Frage nach „dem Bösen”, wobei er sich nicht zuletzt an den „mythischen” Erzählungen in 1. Mose (Genesis) 2 bis 4 (Paradiesstory, Kain und Abel) orientiert, hierbei erörtert er auch verschiedene Ansichten, die „das Böse” naturwissenschaftlich (u. a. soziobiologisch, sozialdarwinistisch, evolutionsbiologisch) erklären wollen (S. 173-186 [1]).
- Danach erörtert Fuchs den konkreten Fall (S. 186-190 [2]).
- Abschließend gibt Fuchs einen „Ausblick”, in dem das Verhältnis von „dem Bösen” und der „Freiheit” (S. 190-194 [3]) nochmals präzisiert wird.
Dieser Aufsatz setzt relativ aktuell an und führt diese Aktualität auf psychiatrische und philosophische Grundfragen zurück, die wir hier auch schon im Kontext der Position Fuchs’ besprochen haben. Anhand der kritischen Besprechung dieses Artikels sollen auch Grundstrukturen von Fuchs’ Ansatz und häufig wiederkehrende Argumente deutlich werden. (weiterlesen…)

Martin Pöttner •

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Die Presseschauen werden ab heute auf einer gesonderten Seite im Blog eingestellt: Presseschauen.
25. Mai 2009
Ein Thema ist der Deutsche Evangelische Kirchentag. Im Mittelpunkt jedoch steht die Wahl des Bundespräsidenten. Dazu ist in der Zeitung DIE WELT zu lesen:
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“Mit der Bestätigung Horst Köhlers ist das ohnehin Erwartete eingetreten. Die Bundesversammlung hat keine Überraschung ausgelöst, geschweige denn ein politisches Erdbeben. Der Amtsinhaber wurde wiedergewählt – und dies im ersten Wahlgang, wenngleich so knapp wie irgend möglich. Dass es eine Wahl im eigentlichen Sinne war, ist das Verdienst Gesine Schwans. Sie jedoch muss zugeben, gar eigene Leute kräftig vergrätzt zu haben. Die SPD hat zwar mit dem erneuten Scheitern der eigenen (weiterlesen…)
24. Mai 2009
Die Wiederwahl Horst Köhlers steht im Zentrum der Kommentare. Außerdem blicken wir auf das Jubiläum 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland und auf die Lage in Sri Lanka.
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Die gestrige Bundesversammlung stößt in der BERLINER MORGENPOST auf folgendes Echo:
"So. Das war ja dann doch deutlich unspektakulärer als erwartet. Der Deutsche mag ein wenig risikofreudiger geworden sein in den vergangenen 60 Jahren, aber im Prinzip bleibt er dann doch ganz gerne bei Persil: Da weiß man, was man hat. In diesem Fall einen Bundespräsidenten, für den man sich zunächst mal von Herzen freuen kann, dass sein durchaus intensiver Wunsch nach einer zweiten Amtszeit in Erfüllung gegangen ist. Vielleicht wird er in den kommenden fünf Jahren ja noch etwas deutlicher, präziser, unverstellter in seinen Mahnungen. Es war eine Bundespräsidentenwahl, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und sie hatte ein gutes Ergebnis", findet die BERLINER MORGENPOST.
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"Es ist nichts falsch an ihm, er hat nichts falsch gemacht", stellt der ebenfalls in Berlin erscheinende TAGESSPIEGEL ähnlich nüchtern fest:
"Befreit von der Suche nach Profil, wie in der ersten Amtszeit, (weiterlesen...)
23. Mai 2009

In den Kommentaren geht es heute um die neuen Erkenntnisse im Fall des 1967 in Berlin erschossenen Studenten Benno Ohnesorg, um das Grundgesetz-Jubiläum und die Bundespräsidentenwahl.
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Zum Fall Ohnesorg schreibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:
“Der Polizist Karl-Heinz Kurras war IM. Was wäre gewesen, wenn diese Wahrheit über den Mann, der den Studenten als das Gesicht der ‘reaktionären BRD’ galt, damals bekannt geworden wäre? Die Studenten hätten sie für Lüge gehalten, für dreistes Staatsschutztheater, aufbereitet von der Springer-Presse. Die Szene hätte sich so radikalisiert, wie sie sich radikalisiert hat. Die westdeutsche Politik freilich, vielleicht auch die Mehrheits-Gesellschaft, hätte Kurras’ Tat der DDR zugerechnet – mit womöglich spektakulären politischen Folgen”, ist die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG überzeugt.
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Die FRANKFURTER RUNDSCHAU fragt:
“Wurde Ohnesorg, der linke Demonstrant, sozusagen ‘von links’ erschossen? Unsinn! Was damals geschah, war die Eskalation autoritären staatlichen Verhaltens gegen eine antiautoritäre Bewegung. Und dass es repressives Handeln unter allen möglichen politischen Fahnen gibt, wissen wir nicht erst seit gestern. (weiterlesen…)
22. Mai 2009
In den folgenden Wochen werde ich hier im Blog mehrere Arbeiten von Thomas Fuchs besprechen.
Fuchs ist Psychiater an der Universitätsklinik Heidelberg und arbeitet an einer phänomenologischen Auffassung von Psychopathologie und Psychotherapie. Er ist als einer der schärfsten Kritiker der neueren Gehirnforschung hervorgetreten. Fuchs schreibt sensibel, kann sarkastisch-ironisch sein und pointiert scharf. In den folgenden beiden Monaten werden hier seine Bücher “Das Gehirn ein Beziehungsorgan” und “Leib und Lebenswelt” besprochen.
Dabei werden nicht vordergründige Polemiken interessieren. Es steht hier natürlich der philosophische Ansatz im Fokus, inwieweit eine phänomenologische Fragestellung beispielsweise in der Auffassung von Wahrnehmung unsere lebensweltliche Erfahrung rechtfertigen kann, obwohl diese durch manche naturwissenschaftlichen Auffassungen infrage gestellt erscheint. Fuchs steht einer Reihe von Entwicklungen der Lebenswissenschaften äußerst skeptisch, fast schon resignativ gegenüber. Wir werden fragen, ob dies plausibel ist, ob es hierzu vielleicht Alternativen gibt.
Fuchs’ Arbeiten finden inzwischen ein breiteres auch außerakademisches Interesse, der Philosophiekurs Heidelberg behandelt am 29.05. einen Aufsatz (“Quer durch jedes Menschenherz”) über das Böse aus psychiatrischer Perspektive, in der VHs Neckargemünd findet am 20.06. ein ganztätiger Kurs zu Fuchs’ Buch über das “Gehirn als Beziehungsorgan” statt.
Schwerpunkt der Kommentare sind die Äußerungen von US-Präsident Obama zur Zukunft der Guantánamo-Häftlinge. Außerdem geht es um das europäisch-chinesische Gipfeltreffen in Prag.
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Die Zeitung USA TODAY aus Arlington schreibt zur Politik von Präsident Obama:
“Bei seiner Rede in Washington wurde deutlich, was Obama aus den vergangenen acht Jahren gelernt hat: Dass der Kampf gegen den Terror neu ausgerichtet werden muss. (weiterlesen…)