27. Dezember 2010

Die Zeit ist ein Bettler http://static2.kleinezeitung.at/system/galleries_520x335/upload/7/3/2/2125274/fe_bettler726apa080909.jpg
Liebe Leser/innen,
ich danke Ihnen für Ihre Besuchsfreude vor allem in der zweiten Hälfte des Jahres 2010! Sie stießen dabei durchaus an die 500 Besuche pro Tag und gelegentlich überschritten Sie diese Marge sogar.
Ich habe festgestellt, dass ein großer Teil der Lesenden aus dem angelsächsischen Bereich kommt, daher werde ich im neuen Jahr jedem Artikel eine kurze Zusammenfassung in amerikanischem Englisch nachstellen!
I found a great deal of readers are coming from the anglo-saxon world. Therefore, from the next year some articles will have an abstract in American English!
Happy new year – gutes Neues Jahr!
22. Dezember 2010

Maria und Elisabet (http://www.anne-worbes.de/index.html)
„Der Lobgesang der Maria“ – so wird der Text der Predigt zum diesjährigen vierten Advent gewöhnlich überschrieben, liebe Gemeinde. Nach seinem Anfang in der lateinischen Bibel ist er auch als Magnifikat bekannt. Er ist immer wieder musikalisch dargestellt worden, ich selbst verehre in jüngerer Zeit die Vertonung durch die Chormusik des estnischen Komponisten Arvo Pärt. (weiterlesen…)

www.pictokon.net
Lk 2,1-20 bildete den Hintergrund dieser letzten Sitzung vor Weihnachten. Es wurden identifiziert:
- Steuerszenario;
- Herrschaftsszenario: Wer bezahlt (die Bevölkerung), wer erhält die Steuern (das Römische Reich) – und warum (überlegene Kriegsführung)? (weiterlesen…)
15. Dezember 2010

… who is society? There is no such thing! There are individual men and women and there are families and no government can do anything except through people and people look to themselves first. It is our duty to look after ourselves and then also to help look after our neighbour and life is a reciprocal business and people have got the entitlements too much in mind without the obligations …
http://www.margaretthatcher.org/document/106689 (weiterlesen…)

Die Grundlage des Seminars, dass Jesus die Armen selig gepriesen, die Reichen aber verflucht hat, bildet für einige, wohl viele Teilnehmer/innen ein Rätsel, möglicherweise auch einen Anstoß, den sie mit ihren eigenen Lebensentwürfen nicht übereinbringen können. (weiterlesen…)
Joh 15 stellt wesentliche Aspekte der johanneischen Gottes-, Welt- und Gemeindeauffassung zusammen. Zentral ist das Weinstockbild. Christus ist selbst der wahre Weinstock, die Schüler sind die Reben, die am Weinstock bleiben sollen und so vermehrt werden. Die Aussage „Ich bin der wahre Weinstock“ stellt eine kreative Metapher dar, kein Mensch „ist“ tatsächlich ein Weinstock. Durch die Verneinung stößt man auf die Frage, wie dies gemeint sei. Religionsgeschichtlich ist die Nähe zu den Dionysosmysterien (vgl. Joh 2) nicht auszuschließen. Christus gilt im frühen Christentum schon recht bald als neuer Dionysos, weshalb sein Geburtstag am Tag des Dionysos (6.1.) gefeiert wurde – und in den Ostkirchen auch immer noch gefeiert wird. (weiterlesen…)
9. Dezember 2010
Der Eindruck im Kurs war wohl recht allgemein, dass Brodbeck in 5.3.3 und 5.3.4 seine These, der Ausdruck des Geldsubjekts sei die mathematisierte Buchhaltung bzw. buchhalterische Mathematik deutlich überzieht. Gelegentlich wurde vermutet, er schade sich und seinem Buch mit dieser extremen These. Zweifel gab es auch bei einigen Teilnehmer/inn/en, ob tatsächlich alles auf die
G
eldgier zurückführbar sei bzw. die Gesellschaft und das bekannte individuelle Leben tatsächlich derart stark von ihr dominiert sei, wie es Brodbeck unterstelle.
5.3.5 und 5.3.6 zeigen nun, wie trotz der traditionellen religiösen Kritik in Judentum, Christentum und Islam letztendlich doch der Kapitalismus mit Zinswirtschaft dominierte. Brodbeck übersieht eigentlich nur, dass schon Hillel der Ältere faktisch eine Entscheidung traf, die den Zins für Handelsunternehmungen erlaubte – wogegen sich wohl Jesus von Nazaret gewendet hat (vgl. auch http://alltagundphilosophie.com/2010/11/25/geldgier-3-wo-kommt-das-geld-her-was-ist-geld/#more-1945). (weiterlesen…)
8. Dezember 2010

Auf Wunsch der Teilnehmer/innen wurde überprüft, wie bestimmte Stellen aus dem Lkev und Mtev (10,34) zu verstehen sind, welche die offizielle Interpretation von Jesus als Sklave bzw. Aufrührer zu interpretieren sind, mithin ob diese aus römischer Sicht etwa als sozial oder politisch berechtigt anzusehen sind.
Dies wurde auf Lk 22,35ff konzentriert. Dieser Text belegt klar die Aufforderung Jesu im Kontext der Gefangennahme Jesu, dass die Schüler sich für Mäntel Waffen besorgen sollten. Denn er solle als Gesetzloser (m. E. auch nach römischen Recht) hingerichtet werden. Allerdings kommt es nach einem Leidenschaftsaufschwung dann doch zur Beruhigung: „Es genug!“. Der Dozent interpretierte das vor dem Hintergrund der auch im Mtev zu beobachtenden Methode der kognitiven Dissoziation, derzufolge widersprüchliche Positionen an der Position Jesu durchgespielt werden. Mithin ist zu vermuten, dass unterschiedliche Auffassungen in den christlichen Gemeinden von Jesus selbst vertreten werden, wobei letztendlich hier die pazifistische Position die Dominanz behält. Gleichzeitig bleibt sichtbar, dass auch eine gewaltsame „Lösung“ des Konflikts mit dem Römischen Reich tatsächlich christlich erwogen wurde.
Die Frauen in Lk 8,1-3 reagieren auf Heilungen Jesu. Ihre erfreulich veränderte Lebensführung veranlasst sie aus ihrem „Besitz“ zu spenden – aus Dank im Interesse der Verbreitung der Botschaft Jesu und seiner Schüler. Diese Sponsor/innen/tätigkeit von wohlangesehenen Frauen wird auch in der Apostelgeschichte erwähnt – und scheint auch antike Parallelen zu haben.
Angezielt ist im Lkev, dass sich in der Geschichte Jesu, seiner Schüler und dann der Kirche die Hoffnungen Israels universal erfüllen. Dabei dürfte die Praxis des alexandrinischen Judentums stark Einfluss ausgeübt zu haben, wofür feststeht, dass sehr viele Menschen zum Judentum übertraten. Daher ist für die Zeit des NT (erstes und zweites Jahrhundert d. Z.) nicht von einem eindeutig dominanten biotisch-ethnischen Verständnis des Judentums auszugehen. Stattdessen geht es um die Leistungsfähigkeit der Tora und ihrer komplexen Interpretation für die jeweilige Lebensform.
Für die Schriftauslegung des Lkev sind dabei die reichtumskritischen und der Armutsfrömmigkeit zugewandten Aspekte der Heiligen Schriften der Juden ausschlaggebend. Anders als überwiegend in der Geschichte der Kirchen ist die Sponsor/inn/entätigkeit aber sehr kritisch reflektiert. Reiche sind verflucht (Lk 6,24), aber sie können umkehren. Und diese Sponsorinnentätigkeit ist die Form der Umkehr jener geheilten reichen Frauen. Wirkungsgeschichtlich ist die lukanische Position freilich das neutestamentliche Bindeglied zu den Positionen der Kirchen, welche den Reichtum möglichst zur Wohltätigkeit nützen möchten, dafür aber das Bestehen des Reichtums faktisch garantieren müssen, mithin auch das Bestehen der Armut, sofern man der Analyse des NT folgen will, wie wir noch an Mt 6,19ff sehen werden.
Aufgaben zum 21.12.
Lesen Sie Lk 2,1-20 und interpretieren Sie den Text vor dem Hintergrund des Seminarverlaufs!

Katakombenbild
Kann man eine Evangelienerzählung wie diejenige des Mkev von der Frau, die Blutfluss hatte, als bildlich bezeichnen? Handelt es sich nicht einfach um eine „historische Erzählung“, die exemplarisch darlegen möchte, welche „übernatürlichen“ Kräfte Jesus als göttliches Wesen hatte?
Gemessen am Theißenschen Modell von Wundererzählungen ist die Erzählung leicht unregelmäßig. Die Wunderhandlung geht faktisch von der Frau aus. Der folgende Dialog mit den Schülern irritiert, die Furcht der Frau erscheint schwer verständlich. Schließlich wird durch Jesus festgelegt: „Dein Vertrauen hat Dich gerettet, Tochter!“ Die feministische Exegese hat mit Recht die zentrale narrative Funktion der Frau betont – und sich weitgehend an der markinischen Variante der Erzählung orientiert, weil diese ein typisches Frauenleiden darzustellen scheint. Denn mit der „Quelle ihres Blutes“ scheint auf Lev 12 und 15LXX angespielt zu sein, mithin auf die Gebärmutter, sodass man von einem zwölf Jahre dauernden Menstruationsfluss sprechen könnte. (weiterlesen…)
6. Dezember 2010
Die Debatte geht in eine problematische Richtung. Natürlich ist die US-Regierung sehr unglücklich darüber, dass ihre z. T. geheimdienstlichen Praktiken deutlich offen gelegt werden. Die cables der embassy Berlin sind besonders peinlich, weil sie teilweise zeigen, dass die USA in der deutschen Hauptstadt den einen oder anderen inoffiziellen Mitarbeiter hat, der teilweise sogar Ministerrang einnimmt – und sich gerne brüstet.
Dies war nur möglich, weil es jemanden oder einige gegeben hat, die persönlich mit bestimmten Sachverhalten und Handlungsweisen nicht einverstanden waren.
Wikileaks und Nachfolgeunternehmen sind notwendig, um den Bürger/inne/n klare Einblicke in dasjenige zu erlauben, was ihre Regierung oder auch bestimmte Unternehmen jenseits der Public relation so tun.
Ob der jetzige “Chef” Assange nun straffällig geworden ist, muss die Justiz erweisen. Er kann sich sicherlich einen Anwalt wie Kachelmann leisten.
Worauf es ankommt, sieht man über den Serverzugang: http://46.59.1.2/ .