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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegt die Weisheit verborgen …


31. Januar 2012

Pantheismus und Bildlichkeit, kosmomorphes Reden von Gott (TUD)

Unser Thema ist im ersten Punkt nicht zuletzt aufgrund der stoischen Philosophie innerhalb des NT identifizierbar (Act 17). Dort wird auch unterstellt, alles sei in Gott, was als Panentheismus bezeichnet werden kann. Gemeint ist, dass an allem Seiendes etwas ist, das als göttlich bezeichnet werden kann oder auf das Göttliche bezogen ist, wobei dieses nicht scharf vom „Weltlichen“ unterschieden scheint – was zur Frage provozierte, ob das Weltliche in Gott untergehe. So scheint es beim prozessorientierten Pantheismus des Paulus der Fall zu sein (1Kor 15,28). In der Pantheismus-Debatte wird in der Regel die Transzendenz Gottes beachtet (natura naturans bzw. natura naturata, Spinoza). Das lässt sich aber nicht räumlich ausdrücken, vielleicht aber prozessual-zeitlich (Paulus). Die Pantheismus-Debatte beachtet, dass man Gott nicht mittels einer carpenter theory ernsthaft denken kann (Herbert Spencer).
Das Problem der Bildlichkeit des Redens von Gott ist also nicht nebensächlich. Wir haben uns daher auch mit der biblischen Debatte dieses Themas befasst (besonders Gen 1,26f und Gen 20,1ff). Gemeint ist offenbar kein abolutes Bilderverbot, sonst hätte Gott kein Bild von sich. Wohl aber wird unterstellt, dass man von Gott kosmomorph redet, diese bildlichen Bezeichnungsweisen dürfen aber nicht als Gott verehrt werden.

25. Januar 2012

Hungerkrise und ökologische Ernährung

Stellt ökologische Ernährung einen Luxus dar, den sich in unserer Gesellschaft nur einige Gutmenschen leisten können – oder bietet diese einen haltbaren Ausweg aus der Krise, dass zurzeit eine Milliarde Menschen hungern? Der Vortrag in La casa verde am 10.02., ab 20 Uhr, in einem schönen Ambiente mit guten Speisen und Weinen, handelt von einem ernsten Thema der individuellen Lebensführung, welche ethisch selbstbestimmt sein will.

24. Januar 2012

Maturana und Dawkins

1    Maturana und Dawkins
Maturanas biologischer Entwurf ist stark von Jakob Johann von Uexküll beinflusst, einer spätromantischen nicht-darwinistischen Form der Biosemiotik. Die darwinistische Biologie wird auf eine dramatische ökologische Ausnahme-Situation zurückgeführt, die an die ökonomischen Annahmen von Malthus erinnert, dass ein bestimmtes Bevölkerungswachstum ökonomisch nicht mehr ernährt werden könne – der ökonomische Hintergrund der Evolutionstheorie Darwins. Es ist auch der Hintergrund des Wettbewerbsmodells – und des Modells der natural selection. Demgegenüber unterstellt Maturana, dass Lebewesen gewöhnlich kooperativ interagieren, sogar von Liebe ist die Rede. Das entgegengesetzte Modell wird von Dawkins vertreten, wobei er im Unterschied zu Maturana unterstellt, dass der biotische Hintergrund der egoistischen Gene auch das Problem des Scheiterns hoher ethischer Ansprüche erläutere. Obgleich die Lebewesen, auch die Menschen „Maschinen“ seien, hält Dawkins dies nicht für völlig unkorrigerbar, wenn auch für unwahrscheinlich, weil bislang für historisch nicht belegt.
2    Aufgaben zum 31.01.

Zum Pantheismus-Problem lesen Sie bitte 1Kor 8,1-6; 15,20-28 und Apostelgeschichte 17,16-34; Mt 5,43-48!

Zum Bilderproblem in der Bibel lesen Sie bitte 1. Mose 1,26f! Vgl. Sie dies mit 2. Mose 20,1-5!
Vgl. Sie dies mit Xenophanes: „Wenn die Pferde Götter hätten, sähen sie wie Pferde aus!“

3    Vertiefung der Genfrage (Samstag, 04.02.; 10-16 Uhr [330])
Vgl. Sie hierzu den Text von Paul und die eingestellten Links zu meinen Beiträgen!

18. Januar 2012

In eigener Sache

 

Ich habe seit Juli gelegentlich an dieser Stelle über mich selbst geschrieben und meine Leser/innen und Kund/innen über meinen Werdegang nach meinem Schlaganfall am 11.04.2011 informiert. Dies war ein deutlicher Einschnitt in meinem Leben, ich habe wie ein Kleinkind erst Krabbeln und dann ganz langsam Laufen gelernt. Neben der Begleitung in der Kopfklinik und den Schmieder-Kliniken (Heidelberg) habe ich schon bald versucht, Kontakt zu Osteopath/inn/en zu suchen. Zum Einen, weil ich in der Fertigstellung der Übersetzung von Margaret Sorrels Buch über Charlotte Weaver durch den Schlaganfall unterbrochen wurde. Hier traf ich auf großes Entgegenkommen. Da meine Genesung noch fortdauert, wird die Fertigstellung bis Ende Februar andauern – aber das Ende ist in Sicht. Zum Anderen, weil ich aufgrund meiner Beschäftigung vor allem mit Still und Littlejohn durchaus zu den Kennern der „klassischen Osteopathie“ zähle, erhoffte ich mir von Osteopathenseite wesentliche Unterstützung beim Rehabilitations- und Genesungsprozess. Denn die recht verstandene Osteopathie ist eine (auch pragmatistisch inspirierte) Theorie der Nervensysteme, welche diese zu beeinflussen unternimmt. Diese Hoffnung hat nicht getrogen, drei Behandlungen führten zu Anstößen für teils dramatische Verbesserungen. Sodass ich jetzt begründet hoffen kann, dass ich im Frühsommer 2012 wieder zu einem Menschen werde, der jenem stark ähnelt, welcher glaubte, im März 2011 am bisherigen Höhepunkt seines Lebens angekommen zu sein. Dies wurde am 11.04.2011 als wahrscheinliche Illusion entlarvt, zumal mir am Abend dieses Tages in der Kopfklinik deutlich wurde, dass meine Frau sich mit hoher Wahrscheinlichkeit scheiden lassen werde. Diese Abduktion traf zu, obgleich ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben habe.
Das führte im November 2011 zu einer starken Identitätskrise, die bis Mitte Januar anhielt. Seit einigen Tagen hat sich aber meine Wahrnehmung aufgehellt. Teilweise habe ich wieder ein normales Körpergefühl. Die Zeiten als disembodied spirit scheinen der Vergangenheit anzugehören. Mein Tageslauf ist mir wieder zugänglich, ich kehre zu selbstbestimmten Formen des Lebens zurück. Aber es hat erheblich länger gedauert, als ich im Mai/Juni 2011 selbst erwartet hatte.
Am 11. März 2011 wurde auch für weniger ambitioniert denkende Menschen deutlich, dass diejenigen seit Peirce und Russel Wallace, welche auf die möglicherweise desaströsen Rückkopplungsprozesse des technisch-wirtschaftlich-wissenschaftlichen Komplexes verwiesen hatten, im Recht waren. Wie Peirce wohl spätestens 1904 gezeigt hat, ist die Ethik der Logik wissenschaftssystematisch vorzuordnen. Dieser Gedanke beruht u. a. auf Ideen des  „Amerikanischen Transzendentalismus“, welcher die amerikanische Romantik darstellt. Und ohne diese ist auch die Osteopathie Stills nicht möglich gewesen. Ich werde diesen Zusammenhang hier Mitte Februar ausführlich darstellen. Mithin wird sich zeigen, warum Philosophie der Osteopathie so wichtig ist – und heute wieder Zukunft hat.

17. Januar 2012

Grenzerfahrungen in der Religion bezeichnen

Mk 5,35-43 ist im Mkev einer derjenigen Texte, der darüber kommuniziert, wie über die Grenzerfahrungen der Religion zu kommunizieren ist. Natürlich aus christlicher Perspektive, aber es gilt allgemein:

„Und was ist Religion? Sie ist eine Art Gefühlsregung in jedem einzelnen Menschen, oder auch: eine verborgene Wahrnehmung – eine tiefe Erkenntnis von etwas im uns umgebenden All; und wenn wir versuchen, diesem Gefühl Ausdruck zu geben, so wird es sich in mehr oder weniger extravagante Formen kleiden, und als mehr oder wenig zufällig erscheinen, immer aber wird es sich zu einem Ersten und Letzten, dem A und Ω, bekennen und in derselben Weise auf jenes Absolute bezogen sein, dem das individuelle Selbst eines Menschen als relatives Sein gegenübersteht. Doch Religion ist in ihrer Totalität nicht auf das einzelne Individuum beschränkt. Wie jede Gestalt von Realität ist sie wesentlich eine soziale und öffentliche Angelegenheit. Sie besteht in der Idee einer umfassenden Kirche, in der sich alle ihre Glieder zu einer organischen, systematischen Wahrnehmung der Ehre des Höchsten verbinden – einer Idee, die von Generation zu Generation wächst und einen Vorrang in den Entscheidungen über unser Verhalten, das private wie das öffentliche, beansprucht“. (RPh, 208f)

Entscheidend ist hierbei der Doppelsinn für „schlafen“, der offensiv offen gelegt und irritierend mit „scheintot“ konfrontiert wird. Dies ist im antiken Kontext seit Dan 12,1f bekannt. Seit dem AT wird über die Überwindung des Todes bildlich, metaphorisch bzw. symbolisch gesprochen.
Wir haben uns entschlossen, diesen Punkt an 1. Mose 1,26f exemplarisch zu diskutieren. Als weiteres offenes Problem kam die Pantheismusfrage hinzu.

15. Januar 2012

Philosophische Ethik (Vhs Neckargemünd)

1.    Erinnerung an den letzten Kurs (27.02.)
2.    Die Entstehung des Begriffs der Ethik bei Aristoteles (05.03.)
3.    Moral – Ethik; Güter, Tugenden und Pflichten (Begriffsfestlegungen) (12.03.)
4.    Autonome Ethik (Kant) (19.03.)
5.    Prozess-Ethik (F. D. E. Schleiermacher) (26.03.)
6.    Diskurs-Ethik (Peirce u. a.) (02.04.)
7.    Utilitaristische Ethik (16.04.)
8.    Prinzip Verantwortung – Zukunftsethik (23.04.)
9.    Medizinethik – Public-Health-Ethik (30.04.)
10.    Abschlussdiskussion (14.05.)

10. Januar 2012

Kol 1,25ff (TUD)

Der Text stellt wahrscheinlich teilweise einen frühchristlichen Hymnus, also ein Lied dar. Angesichts des Gehalts ist es nicht nötig, sich offenbar jüdischen Religionssitten unterzuordnen. Warum nicht? Weil alles versöhnt ist. Der Loskauf von der Sklaverei des Todes ist durch den Tod des Erstgeborenen erfolgt (Blut des Kreuzes, „Blut“ wahrscheinlich Metaphorik für gewaltsamen Tod). Der Erlösungsvorgang erfolgt dadurch, dass die Erlöserfigur Christus sowohl den negativen als auch den positiven Aspekt darstellt.
Für unser „Grenzen“-Thema ist der Text mehrfach einschlägig:
•    universaler Horizont;
•    Mensch ist Teil der Schöpfung;
•    Grenze zwischen Gott und Mensch ist durch Christus überwunden;
•    Christus ist das entscheidende Bild, an dem das wahrgenommen werden kann.
Wir haben das Autorproblem erörtert: realer Autor vs. expliziter Autor. Insbesondere die Auffassung vom „Haupt des Leibes“ (vgl. 1Kor 12) spricht dagegen, dass der reale Autor Paulus ist.
Der religionsgeschichtliche Hintergrund ist Sprüche 8, SapSal 6-9; vgl. auch Joh 1. Der pantheistische Hintergrund wird mit der stoischen Philosophie geteilt; vgl. auch Act 17; 1Kor 15,20-28. Wir haben schon mit Psalm 8 und Röm 8 vergeleichbare Texte kennengelernt.
Zu den Texten von Dawkins und Maturana vgl. hier.