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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegt die Weisheit verborgen …


22. Dezember 2010

Predigt zum vierten Advent (EfG Griesheim)

Maria und Elisabet (http://www.anne-worbes.de/index.html)

„Der Lobgesang der Maria“ – so wird der Text der Predigt zum diesjährigen vierten Advent gewöhnlich überschrieben, liebe Gemeinde. Nach seinem Anfang in der lateinischen Bibel ist er auch als Magnifikat bekannt. Er ist immer wieder musikalisch dargestellt worden, ich selbst verehre in jüngerer Zeit die Vertonung durch die Chormusik des estnischen Komponisten Arvo Pärt. (weiterlesen…)

20. August 2010

Die Ökonomisch-Philosophischen Manuskripte des jungen Karl Marx

Dieser Kurs des Philosophiekreises Heidelberg befasst sich mit der frühen Philosophie von Karl Marx. Auch die Marx-Engels-Werke haben relativ spät diese Texte aufgenommen. Sie ergeben einen eher anderen Blick auf das Werk von Marx, ­als dieser immer noch gewöhnlich ist. Natürlich ist auch Thema des Kurses, ob Marx’ Auffassung unter heutigen Bedingungen überhaupt noch etwas besagt – ist nicht „Entfremdung“ eher etwas, dass beispielsweise unsere „Einsamkeit“ oder die Bedrohung durch den „Konsumterror“ betrifft? (weiterlesen…)

12. Dezember 2009

Der Völkerrechtsverstoß durch die Bundeswehr

in Afghanistan nimmt immer deutlichere Konturen an. Wie zu erwarten, war das Bundeskanzleramt nicht über einige Wochen ganz geschlossen wg. Wahlkampf. Gleiches gilt auch für das Außenamt. Es kann sein, dass dies im Untersuchungsausschuss noch transparenter wird, aber für den gesunden Menschenverstand ist es klar, es hat zivile Opfer in größerer Zahl gegeben — und es ist nur unklar, ob dies ausreicht, um ein strafrechtliches Verfahren mit Aussicht auf Erfolg zu führen.

Die politische Verantwortung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem früheren Außenminister Steinmeier ist aber auch so klar, m. E. wäre beider Rücktritt von ihren Funktionen angemessen.  Weiter tritt nun die Frage auf, ob die Bundeswehr schon seit einiger Zeit  gegen das Bundestagsmandat agiert. Bauernopfer wie Jung und möglicherweise bald von und zu Guttenberg verschleiern nur das Versagen von Steinmeier und Merkel — sowie deren Verantwortung für den Tod von vielen Zivilist/inn/en. Selbst in der Union scheint die Einsicht zu dämmern, dass da auch im Bundeskanzleramt etwas nicht stimmt.

Eine rechtliche Beurteilung, die in der Tendenz der Beiträge in diesem Blog steht, bietet jetzt Heribert Prantl.

4. Dezember 2009

Erinnerung an den 30.11. — Vhs Neckargemünd

Die Sitzung befasste sich zum großen Teil mit Problemen der letzten Sitzung, weil jetzt klarer geworden war, dass es mehrere mögliche Betrachtungsweisen biotischer Prozesse gibt. Schon Bauer, stärker aber Hoffmeyer unterstellen, dass der einzelne Prozess nur im Kontext der gesamten Prozesse im Organismus verstanden werden kann, weshalb Hoffmeyer eine semiotische Vernetzung der einzelnen Prozesse unterstellt.

Dabei stößt man auf Unendlichkeitsprobleme und Unschärfen, es wird deutlicher, dass auch wissenschaftliche Erkenntnis stets nur vorläufigen Wert hat – mithin also in Zukunft verbessert, widerlegt und gegebenenfalls nur leicht modifiziert bestätigt wird. Demgegenüber suggerieren Vertreter wie Dawkins, dass wissenschaftliche Erkenntnis einen wesentlichen Schlüssel finden müsse, mit dem man das gesamte Schloss aufschließen könne, ihm zu Folge geht dies mit der Metapher des „egoistischen Gens“. Sollten die neueren Forschungen im Recht sein, ist diese metaphorische Drapierung des Organismus hinfällig. Wenn das Genom den Prozess der Ontogenese nicht determinieren kann, hängt die ganze Konstruktion des „egoistischen Gens“ in der Luft.

Aber falls es unvermeidlich Unendlichkeitsprobleme und Unschärfen gibt, warum soll man dann überhaupt das Phänomen des Ganzen thematisieren – und sich nicht auf die Erkenntnis von Einzelsachverhalten beschränken? Weil das Einzelne nur im Gesamtzusammenhang angemessen erkannt werden kann. Jede Erkenntnis ist dann aber zumindest mit einem hypothetisch-abduktiven Rest verbunden, sodass gerade die Handlungen, die auf einer solchen Erkenntnis beruhen, stets revidierbar sein müssen. Das gilt nicht nur für den Bereich der Medizin, sondern auch für die Bereiche der Politik und der Wirtschaft. U. a. aus diesem Grund ist die Demokratie prinzipiell anderen Staatsformen überlegen, wird aber stets zu unterminieren versucht.

Dadurch wird nicht auf einmal alles besser, wohl aber ist seit dem 16. Jahrhundert doch einiges besser geworden. Die Demokratie erzwingt nicht sittliches oder vernünftiges Handeln, wohl aber ist sie in der Lage durch Rechtssetzung sanktionsbewehrte Erwartungssicherheit in bestimmten Bereichen herzustellen. Daher wurde seit einigen Jahren an bestimmten Aspekten des Grundgesetzes gearbeitet, um diese zu verändern – zumeist hat das Bundesverfassungsgericht derartige Gesetze als zumindest teilweise verfassungswidrig erklärt. Die moderne Demokratie funktioniert also nicht ohne dasjenige Recht, welches seit der europäischen und nordamerikanischen Aufklärung Gestalt annimmt. Gerade die Finanzkrise hat musterhaft gezeigt, dass das Grundgesetz mit den Artikeln 14 und 15 auch schwierigen Situationen gewachsen ist.

Wer also hohe sittliche Ansprüche hat, muss sich in der Demokratie selbst dafür einsetzen, dass diese auch wirksam werden.

Das Problem der prädiktiven Medizin besteht bei multifaktoriellen Krankheiten wie Diabetes mellitus in der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sollte ein Mensch zwei Eltern mit dieser Krankheit besitzen, beträgt die statistische Wahrscheinlichkeit 50 %, dass er diese auch bekommt. Und sie beträgt 50 %, dass er sie nicht bekommt. Was tun? Hier verbindet sich das konkrete Problem mit dem zuvor erörterten Problem. Wie geht man eigentlich mit höchst unscharfen Einsichten um? Da Wahrscheinlichkeiten nichts über den tatsächlichen Verlauf beim einzelnen Menschen aussagen, ist hier höchste Zurückhaltung geboten – so wie es auch der Bundestag beschlossen hat.

22. November 2009

John Dewey — Mein pädagogisches Glaubensbekenntnis I

John Dewey (1859-1953) ist einer der bedeutendsten Pädagogiker der Moderne. In Deutschland bzw. im deutschen Sprachraum würde man seine pädagogische Position als Reformpädagogik bezeichnen. Darunter kann man diejenigen Positionen

John Dewey

John Dewey

verstehen, welche Einsichten der klassischen Pädagogik wie derjenigen Friedrich Schleiermachers (2000a; b) in lebbare Formen umsetzte. Dewey ist m. E. deshalb von besonderer Bedeutung, weil er eine sozial verantwortliche und entschieden demokratische Position vertrat. Es kann nur zur Demokratie kommen und diese kann  auch nur bestehen, wenn die Schule selbst für Kinder Demokratie erlebbar und gestaltbar macht. Dewey ist mithin nicht der Überzeugung, dass man in der Schule für das Leben lerne, wie ein verbreiteter Sinnspruch in unserer Weltgegend lautet. Es verhält sich anders: Die Schule ist ein Teil des Lebens und mithin auch des demokratischen und sozial verantwortlichen Lebens.

Ich werde über Weihnachten bzw. den Jahresabschluss  hinaus hier Deweys Text My Pedagogic Creed (1897) übersetzen und mit einigen kommentierenden Bemerkungen versehen. Der Regierungserklärung von Angela Merkel zufolge soll ja Deutschland zur “Bildungsrepublik” werden.  Hierzu hat Dewey Wesentliches beizutragen. Denn seine Auffassung ist wesentlich grundlegender als diejenigen Überzeugungen, die bestenfalls von der OECD beeinflusst sind, aber schlimmstenfalls Sarrazinsche Formen annehmen können. Von derartigen Auffassungen ist der jedenfalls massenmedial zumeist notierte Bildungsdiskurs bestimmt. So findet sich in früher renommierten Zeitungen wie der “Zeit” bemerkenswert oft eine abfällige Bemerkung über “bildungsferne Schichten” – ein Ausdruck, der zeigt, wie lebensfremd  und reflexionsarm nicht selten der Diskurs in Deutschland geführt wird. Hier besteht mithin noch ein beachtliches Potenzial an Nachdenklichkeit, Information, an eigener Übung und Selbsterfahrung, um in der Sache gedanklich und praktisch weiter zu kommen.

Dewey hat seinen Text der fingierten Gattung “Glaubensbekenntnis” folgend in Artikel gegliedert, es sind fünf. Und jede dritte Woche wird hier ein “Glaubensartikel” übersetzt und in der folgenden Woche mit  Hinweisen versehen.

7. November 2009

Der Freiherr von und zu Guttenberg versucht etwas Konkretes zu sagen

Es hat lange gedauert, bis der organisierte regierungsbezogene Teil etwas Konkretes zu dem Völkerrechtsbruch in Afghanistan gesagt hat, den wir hier schon besprochen haben. Nun versucht sich der Freiherr zu Guttenberg in dieser hohen Kunst, etwas Konkretes zu sagen. So seien schlicht einige Verfahrensregeln nicht so sonderlich klar gewesen, insgesamt aber habe Oberst Klein militärisch richtig gehandelt. Ob das völker- und zivilrechtlich angemessen war, will von Guttenberg interessanterweise nicht beurteilen.

Ist dies – ich hatte auch den Eindruck bei Antworten auf meine Anfragen an die Bundeskanzlerin und den damaligen Außenminister Steinmeier – für die Bundesregierung nicht wichtig?

Zu Guttenberg unterstellt, dass es zivile Opfer gegeben habe, welche er im Herzen bedauere. Aber dann rechtfertigt er einen Völkerrechtsbruch, der möglicherweise strafrechtliche Konsequenzen hat.

Von Guttenberg versucht sich ebenfalls dem Charakter des Einsatzes in Afghanistan zu nähern. Hier kann man ihm helfen. Es ist ein UNO-Einsatz nach der UNO-Charta. Dies ist spätestens in der Großen Koalition, vielleicht schon unter Rotgrün untergegangen. Es wurde darüber fabuliert, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt werden müsse. Das ist nicht richtig, es geht um den Wiederaufbau eines “failed state“, also eines Staates, in dem die staatliche Ordnung zusammengebrochen ist. Dabei geht es auch nicht darum,  eine “westliche” Demokratie einzuführen, sondern die Maßstäbe zu beachten, die in der UNO-Menschenrechtscharta vorgesehen sind. Das scheint nur teilweise gelungen zu sein, um es sehr vorsichtig auszudrücken. Aus meiner Sicht ist der Einsatz daher gescheitert, nicht zuletzt dadurch, dass Bombardements der Art von Oberst Klein zum guten Ton der NATO-Truppen gehört haben, welche im Auftrag der UNO den vom Sicherheitsrat beschlossenen Einsatz durchführen. Hier ist die UNO in der Folge gefragt, sehr konkrete Regeln auszuarbeiten, wie ähnliche Fälle angegangen werden sollen. Deutschland sollte Truppen nur dann zur Verfügung stellen, sofern dies geschieht.

Im Moment spricht daher alles für “eine geordnete Insolvenz“, um eine rechtlich nicht existente Form zu nennen, die zu Guttenberg im Kontext von Opel angesprochen hat. Zu Guttenberg sollte daher “eine geordnete Insolvenz” des deutschen Beitrags zu einem gescheiterten UNO-Einsatz verkünden, das wäre einmal etwas Konkretes.

Update um 13.18 Uhr, in der “Frankfurter Rundschau” findet sich ein weiterer apologetischer Text von Harald Kujat, auch hier die Befürchtung, dass jemand die Verbrechensfrage in Deutschland zu klären versucht. Aber diese Straftatsfrage ist völkerrechtlich ausschlaggebend. Nimmt die Bundeswehr an UNO-Einsätzen teil, muss sie sich ans Völkerrecht halten. Hält sie sich nicht daran, wie bei Oberst Klein möglicherweise geschehen, zählt Art. 11 des Völkerrechtsstrafgesetzbuches zu den einschlägigen Artikeln

3. Oktober 2009

Sanktionsmoratorium bei Hartz IV-Bezieher/innen

Empfehle folgenden Aufruf zu unterschreiben, der von Politiker/inne/n, Gewerkschaftler/inne/n und Wissenschaftler/inne/n unterstützt wird. Hoffnungsvoll stimmt, dass hier politische, wissenschaftliche und religiöse Initiativen zusammenarbeiten, um eine an den Grenzen unserer Verfassung angesiedelte Praxis der Behörden zu beenden. Gefordert wird zunächst nur die z. T. moralisch anstößige Anwendung des § 31 des Sozialgesetzbuches II auszusetzen.

29. August 2009

Nachlese

Die Bundeskanzlerin legt Wert darauf, dass Josef Ackermann über das Zustandekommen jenes Essens nicht zutreffend im ZDF berichtet habe. Auch ihre Antwort, die Heinrichmartin Kreye mir zugesandt hat, unterstellt diese Version. Der Artikel in der SZ von Nico Fried untersucht dies mit dem üblichen Personality-Tiefsinn, auf den weite Teile der Mainstreammedien seit gut zehn Jahren herabgesunken sind. Die Bundeskanzlerin selbst ist freilich zu klug, um die faktische Katastrophe jenes von ihr im “Kontext” des sechzigsten Geburtstags von Josef Ackermann ausgerichteten Abendessens mit Menschen aus Bildung, Kultur, Entertainment, Wirtschaft und Politik nicht zu übersehen. Daher betont sie, dass es auf “Distanz” der Funktionseliten von Politik und Wirtschaft ankomme.

Jenes Essen hat aber offensichtlich eine ganz andere Bedeutung. Anders als im Wahlkampf gegenwärtig betont, war Frau Dr. Merkel eine unerbittliche Anhängerin der neoliberalen Ideologie, weshalb sie Ackermann früher auch wegen seiner Rolle in der Mannesmann-Affäre verteidigt hat.  Ackermann wurde bekanntlich nicht verurteilt. Das Wahlprogramm 2005 legt den Siegeszug der neoliberalen Ideologie offen, der sich in der Union ereignet hatte. An der Spitze dieser Bewegung stand Angela Merkel.

In der Tat hat sich Merkels Überzeugung offenbar geändert – und dies ist durchaus respektabel. Aber die stets weiter verteidigte 25-%-auf- das-Eigenkapital-Rendite Ackermanns ist eine der Hauptursachen der Finanzkrise, jedenfalls die Mentalität, welche hinter dieser Rendite-Erwartung steht. Ackermanns Lehrer Hans Christoph Binswanger urteilt in jenem denkwürdigen FAZ-Interview folgendermaßen:

Goethe hat die Papiergeldschöpfung in die Nähe der Alchemie, der Magie gerückt, die es vermag, natürliche Abläufe wundersam zu beschleunigen. Herr Ackermann, Sie haben der Deutschen Bank das Ziel vorgegeben, über einen Konjunkturzyklus hinweg im Schnitt jährlich eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu erreichen. Das läuft auf eine Verdopplung des Eigenkapitals in wenigen Jahren hinaus. Vielen gilt dieses Ziel als der Inbegriff von Maßlosigkeit. Dennoch haben Sie es unlängst bekräftigt.

Ackermann: Zunächst einmal: Wir sprechen hier von einer Vorsteuerrendite, also gar so schnell verdoppelt sich das Eigenkapital nicht. Außerdem hat das mit Maßlosigkeit nichts zu tun. Solche Renditen erwirtschaften die besten Banken der Welt seit vielen Jahren. Wenn eine Bank im Konzert der Besten mitspielen will – und das ist der Anspruch der Deutschen Bank -, muss sie auch vergleichbare Renditen wie die Besten erzielen. Das kommt nicht nur den Aktionären zugute, sondern auch Mitarbeitern, Kunden und der Gesellschaft als Ganzes. Um ein guter Arbeitgeber zu sein, Arbeitsplätze zu schaffen, Steuern zu zahlen oder für gute, soziale Zwecke etwas tun zu können, muss man gute Gewinne erwirtschaften. Im Übrigen: Dank ihrer hohen Ertragskraft in den zurückliegenden Jahren war die Deutsche Bank jetzt in der Lage, die Krise ohne staatliche Unterstützung aus der Tasche der Steuerzahler durchzustehen. Natürlich kann man diskutieren, ob dieses „faustische Streben“ nach immer mehr, immer größer, immer schneller richtig ist. Aber man muss sich dabei auch bewusst sein, dass mit weniger Geldschöpfung und weniger Wachstum wahrscheinlich auch der allgemeine Wohlstand geringer sein wird.

Die Krise hat gezeigt, dass es sich bei der vermeintlichen Wertschöpfung oft nur um heiße Luft gehandelt hat. Die Buchwerte haben sich buchstäblich in Luft aufgelöst. Hohe Eigenkapitalrenditen lassen sich eben nur erzielen, wenn ein Unternehmen mit großem Kredithebel arbeitet. Kreditvergabe führt zu Geldschöpfung, unter Umständen zu Spekulationsblasen – die schließlich platzen.

Ackermann: Deswegen ist es ganz wichtig, Institutionen zu schaffen, die sich mit bedenklichen Entwicklungen rechtzeitig auseinandersetzen und verhindern, dass Spekulationsblasen entstehen. Sie haben insofern recht, als die Banken unter den jetzigen „Spielregeln“ relativ wenig Eigenkapital benötigen. Nach den Basel-II-Vorschriften der Bankaufseher müssen Banken ihr Geschäft nur mit mindestens 4 Prozent Kernkapital unterlegen. Das erleichtert es natürlich, eine hohe Eigenkapitalrendite zu erzielen.

Ist es nicht so: Für eine hohe Rendite muss man hohe Risiken eingehen?

Ackermann: Nein, das sehe ich nicht so. Gerade in Geschäftsfeldern, die wenig riskant sind, etwa in der Vermögensverwaltung oder im Beratungsgeschäft, benötigt man wenig Eigenkapital – bei gleichem Gewinn ist die Rendite auf einem solchen Geschäftsfeld also viel höher als auf Gebieten mit hohen Risiken, für die die Aufsicht eine höhere Eigenkapitalunterlegung vorschreibt. Die Höhe der Eigenkapitalrendite hängt stark vom Geschäftsmodell ab.

Herr Binswanger, halten Sie eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent für ein realistisches Ziel?

Binswanger: Für Einzelne ja. Aber nicht generell. Eine solch hohe Rendite lässt sich auf Dauer nur in einem monopolistischen oder oligopolistischen Markt erzielen. Für alle Unternehmen scheint mir das hingegen nicht möglich, es sei denn, es kommt über Kreditvergabe zu Spekulationsblasen. Doch wenn diese Blasen platzen, kommt es statt zu Gewinnen zu Verlusten.

Ackermann: Natürlich kann nicht jedes einzelne Unternehmen oder können nicht alle Unternehmen im Schnitt solch eine Rendite erzielen!

Die Einladung für Ackermann war also durchaus als Zustimmung der wichtigsten Akteurin der politischen Funktionselite zu derjenigen und eine Hommage an diejenige Person zu verstehen, welche für die falsche Haltung im Finanzsektor verantwortlich ist. Ackermann redet tapfer an Binswangers scharfem Einwand vorbei. Und Angela Merkel distanziert sich gerade nicht glaubwürdig von ihrer früheren falschen Haltung. Diese Haltung hat die schwerste Wirtschaftskrise seit über 70 Jahren verursacht.

31. Juli 2009

StilleMaus, @einspruch.org zu den Wahlkampferwartungen:

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7. Juni 2009

Europawahl in Deutschland

Die Europawahl in Deutschland hat bestenfalls einen Gewinner: die FDP. Warum wohl? Das Ergebnis ruft bei mir – nach den intensiven Debatten der letzten neun Monate im Anschluss an die Finanzkrise – doch eher Ratlosigkeit hervor. Sarkastisch sieht es im Blick auf den hauptsächlichen Verlierer wieder einmal @StilleMaus.

@StilleMaus, einspruch.org

@StilleMaus, einspruch.org